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Uwe Ochsenknecht über Anerkennung:"Berühmtsein ist doch toll"

In der neuen Fernsehserie des Privatsenders 13th Street tritt Uwe Ochsenknecht als Erzähler tragischer Episoden auf. In dieser Rolle muss er sich mehr zurücknehmen als gewohnt. Warum ihn genau dies gereizt hat - und warum es ihn nervt, wenn "No-Names" mehr verdienen als er: ein Gespräch über das Schauspielerdasein, Gagen und die Frauen.

Paul Katzenberger

Mal was Neues ausprobieren, das war Uwe Ochsenknechts Motiv, die Hauptrolle bei der neuen Serie "Die 13. Wahrheit" anzunehmen. Bei den 13 Episoden, die seit dem 13. März im Abendprogramm des kleinen Privatsenders 13th Street Universal laufen, nimmt sich der Schauspieler mehr zurück, als er es üblicherweise tut - er moderiert im Wesentlichen Comic-Geschichten. Die Bescheidenheit hält er in diesem Fall für angemessen, wenngleich er nach wie vor Ambitionen für das "große Theater" hegt. Da komme er schließlich her.

Die 13. Wahrheit - Uwe Ochsenknecht erzählt

"Der Zuschauer soll denken: 'komischer Typ'": Uwe Ochsenknecht als sonderbarer Erzähler in der neuen Serie Die 13. Wahrheit. Als eigenartiger Gast eines Hotels vertraut er dem Zuschauer bizarre Geschichten an. Illustriert werden die tragischen Episoden in einer Folge von Comic-Bildern, die der Schauspieler moderiert.

(Foto: Gert Krautbauer für 13th Street Universal)

SZ: Am Dienstag startete bei dem Privatsender 13th Street Universal die neue Serie "Die 13. Wahrheit" mit Ihnen in der Hauptrolle. Sie treten dort aber mehr als Erzähler auf und weniger als Schauspieler ...

Uwe Ochsenknecht: ... Moment mal! Weniger Schauspieler mag ja sein, aber ich stelle ja doch einen Typ dar, von dem man nicht weiß, warum der im Hotel ist, was der macht, warum der diese Geschichten erzählt. Es ist unklar, wer das genau ist. Die Figur ist also sehr reduziert und den Rest soll sich jeder selber denken. Das war auch das Spannende dabei.

SZ: Wie schaffen Sie es, sich mehr zurückzunehmen, als Sie es üblicherweise tun?

Ochsenknecht: Mir war klar, dass die Geschichten im Wesentlichen durch die Animation leben. Da wollte ich mich als Schauspieler nicht groß in den Vordergrund stellen, so als Märchenonkel. Sondern das einfach ganz straight und ruhig erzählen. Ich glaube, je undurchschaubarer das ist, je einfacher und reduzierter es ist, desto stranger ist es auch. Der Zuschauer soll denken: 'komischer Typ'.

SZ: Sie wollten also mal wieder ein komischer Typ sein?

Ochsenknecht: Nicht komisch, aber sonderbar. Ich denke, das passt ganz gut zu den Geschichten, die sind ja auch sonderbar.

SZ: Haben Sie die Rolle des sonderbaren Erzählers auch angenommen, weil "Die 13. Wahrheit" ein neues Format ist, etwas, was man so in der Form vielleicht noch nicht gesehen hat?

Ochsenknecht: Auch. Ich habe mit dem Sender 13th Street schon öfters zusammengearbeitet und die sind ja bekannt für innovative Formate. Die "Böse-Nacht-Geschichten" haben wir damals gemacht und die "Shocking-Short-Awards", die jedes Jahr hier in München sehr erfolgreich sind, habe ich letztes Jahr moderiert. Und jetzt das hier. Also ich finde es toll, dass es Sender gibt, die auch mal was ausprobieren und nicht die Hose voll haben.

SZ: Der Quotendruck im Fernsehen ist nun mal unerbittlich. Das erlebt Ihr Freund Thomas Gottschalk ja im Augenblick auch.

Ochsenknecht: Das finde ich auch ganz schlimm. Diese Angst, ein Risiko einzugehen, wenn es überhaupt eines ist. Das ist ja mit Filmen genauso, vor allem im Fernsehen, wenn es um die Quoten geht. Ich bekomme oft so tolle Stoffe angeboten, Serien, die anders sind, die neu sind. Und die Sender: 'Nee. Risiko. Kennen wir nicht.' Dann kaufen sie es lieber aus Amerika.

SZ: Das heißt, auch bei anderen Rollenangeboten gehen Sie ganz bewusst auch mal ins Risiko?

Ochsenknecht: Ja, schon immer. Ich habe zum Beispiel mit 30 Bismarck in einem Dreiteiler gespielt, in verschiedenen Altersstufen von 36 bis kurz vor seinem Tod, 75 glaube ich war der. Das ist natürlich eine Riesenherausforderung, das macht Riesenspaß. Klar. Das ist eben das Interessante, dass man sich auch mal aufs Glatteis begeben kann.

SZ: Wobei die Cartoons bei "Die 13. Wahrheit" das Genre sicher nicht voll ausreizen. Im Vergleich zu Brecht Evans, der sich zum Beispiel bei seiner Arbeit von den alten Meistern inspirieren lässt, sind diese Graphic Novels ja recht konventionell.

Ochsenknecht: Ich finde diese Darstellung für die Geschichten absolut ausreichend. Man muss ja nicht zeigen, was man alles draufhat. Der Zuschauer muss sich ja noch darauf einlassen können - vor allem zu Hause vor dem Fernseher.

SZ: In der Regel enden die Episoden bei "Die 13. Wahrheit" mit einer kleinen Tragödie. Hat Ihnen das gefallen?

Ochsenknecht: Ja. Das passt zu dem Sender, das passt zu dem Format, das passt auch zu den Geschichten. Happy Endings haben wir ja immer bei Pilcher und anderswo. Das finde ich immer langweilig, vor allem, weil es immer so absehbar ist. Dann kriegen sie sich halt dann doch. Das wusste man ohnehin schon vorher und die Omis freuen sich auf den Moment, in dem es dann tatsächlich passiert. Ich finde es viel spannender, wenn man nicht weiß, wie es ausgeht.

SZ: Bei "Die 13. Wahrheit" geht es eher schlecht aus, Sie haben in Ihrem Leben hingegen doch meistens Glück gehabt.

Ochsenknecht: Ja, das kann man wohl sagen. Ich bin mir dessen auch bewusst und sehr dankbar dafür und auch sehr demütig. Wenn man sich die Masse der anderen ansieht: Es gibt viele Menschen, die haben halt nicht so ein Glück, wie ich es hatte.

SZ: Alles nur Glück? Mussten Sie auch kämpfen?

Ochsenknecht: Och, nöö. Ich habe nicht den Eindruck, dass ich für irgendetwas groß gekämpft habe. Es ist mir schon alles ziemlich leicht gefallen. Aber ich habe trotzdem immer hart und viel gearbeitet, auch an mir. Ich denke, Grund ist auch, dass ich ziemlich früh - mit 14 oder 15 - wusste: 'Ich will Schauspieler werden.' Das war mir zu 150 Prozent klar. Wie lange, wusste ich damals noch nicht, aber auf jeden Fall war der Wunsch stark genug, dass ich gesagt habe: 'So, das mache ich jetzt.'

SZ: Aber bekannt ist auch, dass Ihre Eltern von diesem Berufswunsch nicht begeistert waren.

Ochsenknecht: Natürlich hat es Leute gegeben, die mir gesagt haben: 'Es gibt so und so viel tausend arbeitslose Schauspieler allein in München.' Ich habe nur gesagt: 'Und?' Das hat mich alles gar nicht interessiert. Wie dann was passiert, das weiß man ja nie.

SZ: In Ihrer problematischen Jugend als Schulabbrecher fehlte Ihnen im Bereich Anerkennung etwas, daraus haben Sie nie einen Hehl gemacht. War Anerkennung ein Motiv für die Berufswahl?

Ochsenknecht: Absolut. Wenn man das Glück hat, diesen Beruf ausüben zu können, vor einer größeren Masse von Leuten. Das war sicher mit ein Grund, warum ich den Beruf ergriffen habe. Mit ein Grund, nicht der ausschließliche Grund.

"Ich bin normalerweise sehr chillig"

SZ: Und wie ist es heute? Haben Sie dieses große Bedürfnis nach Anerkennung noch immer?

Ochsenknecht: Ich wurde erst neulich wieder gefragt: 'Geht dir das nicht auf den Nerv, wenn du ständig angesprochen wirst, hier mal ein Foto machen und hier.' Dann habe ich ihm gesagt: 'Viel schlimmer wäre es, wenn ich morgens aus der Tür gehe und keiner erkennt mich mehr. Das wäre um einiges schlimmer.'

SZ: Wobei das doch auch angenehm sein könnte, oder? Ich spreche jetzt aus eigener Erfahrung.

Ochsenknecht. Och, nee! Berühmtsein ist doch toll. Da kommen wildfremde Leute auf einen zu und freuen sich. Gott sei Dank freuen sie sich, solange das natürlich so ist, ist das gut. Die freuen sich und sagen: 'Ich habe Ihren Film gestern gesehen und Sie sind ein toller Schauspieler. Und ich habe so eine Geschichte auch mal erlebt und so.' Das ist toll. Das würde ich schon vermissen, ehrlich gesagt. Und dass die Frauen reihenweise in Ohnmacht fallen, wenn sie mich sehen.

SZ: Ist Berühmtheit wie eine Droge, von der man nicht mehr loskommt?

Ochsenknecht: Droge weiß ich nicht. Aber wenn man ehrlich ist, ist es eine Riesenportion Bestätigung. Daran habe ich mich gewöhnt seit vierzig Jahren. Und plötzlich erkennt dich keiner mehr? Ist doch scheiße.

SZ: Meist verglüht man ja als Stern nicht von heute auf morgen.

Ochsenknecht: In der Tat geht das nicht so abrupt. Das kommt schleichend, dass man in Vergessenheit gerät. Man verändert sich, man wird älter. Ganz schlimm ist, wenn dann in der Zeitung steht: 'Was macht eigentlich ...?' Also, wenn ich freiwillig gesagt habe: 'So, ich hau' jetzt ab nach Kanada, kauf' 'ne Farm, werd' Viehzüchter und Schluss ist. Ich hab' alles gehabt und brauche das nicht mehr.' Dann kann ich so was lesen: 'Was macht eigentlich ...?' Aber nicht, wenn ich immer noch gerne meinen Beruf ausüben würde.

SZ: Noch sind Sie nicht in Vergessenheit geraten. Kürzlich waren Sie als der alternde Schlagersänger Hansi Haller im Fernsehen zu sehen, und "Kleine Morde", Ihr letzter Kinofilm, ist soeben fertiggestellt worden. Dieses Jahr laufen vier Fernsehfilme mit Ihnen, darunter "Überleben an der Wickelfront" am 3. Mai im ZDF. Wofür arbeiten Sie lieber, fürs Fernsehen oder fürs Kino?

Ochsenknecht: Kino ist insofern angenehmer, dass mehr Geld und mehr Zeit zum Arbeiten da ist. Heutzutage hat ein Fernsehspiel 22 Drehtage. Zack. Da kann man nicht viel herumexperimentieren und proben. Da muss man schon vor den Dreharbeiten alles mit dem Regisseur geklärt und besprochen haben. Und dann wird gedreht und fertig.

SZ: Das heißt, bei Kinoproduktionen kommt am Schluss mehr Qualität heraus?

Ochsenknecht: Wenn man die meisten deutschen Kinofilme sieht, glaubt man das nicht so. Aber die Chance wäre da. Man hat mehr Zeit zu arbeiten. Was man mit der Zeit macht, das frage ich mich beim Kino manchmal selber, wenn man die Filme sieht.

SZ: So schlecht sind die deutschen Kinofilme auch wieder nicht. Zum Beispiel "Halt auf freier Strecke" von Andreas Dresen, der hat immerhin im vergangenen Jahr einen Preis in Cannes gewonnen. Oder "Gegen die Wand" von Fatih Akin, der bekam dafür vor einigen Jahren bei der Berlinale den Goldenen Bären.

Ochsenknecht: Klar, "Das Leben der Anderen" ist ein guter Film und "Good Bye, Lenin!" und solche Sachen. Es sind ab und zu ein paar gute dabei. Das stimmt. Auf jeden Fall.

SZ: "13th Street" ist ein kleiner Sender. Da wird Ihre Gage nicht in dem Bereich sein, wie Sie es sonst gewohnt sind. Hat Sie das gewurmt?

Ochsenknecht: Das hat mich nie gestört, bei Sachen, die mich interessieren, und die inhaltlich Qualität haben. Ich habe letztes Jahr mit einem jungen Regisseur einen Kinofilm gemacht, eben "Kleine Morde", und der konnte das auch nicht zahlen. Mir ging es in erster Linie noch nie um Geld. Wenn mich etwas interessiert, dann sollen die Leute das zahlen, was sie haben. Aber wenn ich dann erfahre, dass ein No-Name mehr bekommt als ich, dann werde ich stocksauer.

SZ: Dann hat der No-Name vielleicht besser verhandelt als Sie.

Ochsenknecht: In diesem Geschäft geht es nicht ums Verhandeln, es ist die Frage vom Marktwert. Wenn man noch nicht erfolgreich ist, oder man weg vom Fenster, dann kann man nicht groß verhandeln. Dann heißt's: 'Pass mal auf, so und so viel, kannst froh sein, dass du bei uns drehen darfst.' Und fertig. Das richtet sich schon nach dem Marktwert.

SZ: Ende des Jahres kommt wieder ein Film mit Ihnen ins Kino: Ludwig II. Sie spielen den Prinzregenten Luitpold, der ja ein sehr volkstümlicher Mensch war. Wie hat Ihnen diese Rolle gefallen, Sie haben ja eher den Ruf, so ein anarchischer Typ zu sein?

Ochsenknecht: Echt?

SZ: Ja, schon, oder nicht?

Ochsenknecht: Wenn's sein muss - ja. Aber ich bin normalerweise sehr chillig, wie man heute sagt.

SZ: Ruhig?

Ochsenknecht: Jo. Abgesehen davon empfinde ich so historische Sachen im Kino immer eine gute Abwechslung und ein bisschen Theater, wo ich ja herkomme. Ich hatte so einen Riesenbart, mein ganzes Gesicht war voll mit Bart und Haare überall. Ich glaube mich erkennt man nur an der Stimme. Aber es war mal witzig. Und die Kostüme und tolle Kulissen. Das hat Spaß gemacht, so zwischendrin.

© Süddeutsche.de/pak/hai

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