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USA:Journalist Glenn O'Brien ist tot

Glenn O'Brien

Eine zentrale Figur der New Yorker Kulturszene: Der Journalist Glenn O'Brien.

(Foto: Filmfest München)

Er arbeitete mit Andy Warhol zusammen und war eine zentrale Figur der New Yorker Kulturszene. Jetzt ist O'Brien im Alter von 70 Jahren gestorben.

Alles begann im Jahr 1971. Glenn O'Brien war gerade nach New York gezogen, um Film zu studieren und trieb sich ansonsten in der Bohemienszene der Stadt herum. Da kam plötzlich eine Anfrage des Künstlers Andy Warhol: Ob O'Brien nicht Lust hätte, seine Zeitschrift Interview zu leiten.

Wie kam Warhol ausgerechnet auf den jungen Studenten? O'Brien erklärte es 2015 in einem Interview mit der SZ sehr pragmatisch. Die Zeitschrift gab es 1971 gerade einmal seit neun Monate und sie hatte in dieser kurzen Zeit schon neun Chefredakteure verschlissen. "Ich glaube, dass sie deshalb ein paar junge, frische College-Kids suchten", mutmaßte O'Brien mehr als 40 Jahre später.

"Ich bin eben gerne beschäftigt"

Das junge, frische College-Kid O'Brien übernahm also Interview und entwickelte sich von da an zu einer einflussreichen Figur der New Yorker Kunst- und Kulturszene. Er arbeitete in den nächsten Jahrzehnten als Journalist, aber auch als Talkshow-Moderator, Stand-up-Comedian, Werber und Theaterautor. "Ich bin eben gerne beschäftigt", sagte O'Brien vor einigen Jahren der New York Times mit Blick auf sein Schaffen. Laut eigener Aussage war es sogar O'Brien, der auf dem von Warhol entworfenen Rolling-Stones-Cover "Sticky Fingers" als Unterwäschemodel posiert. Im SZ-Interview erzählte er die Geschichte folgendermaßen: "Das Foto wurde in dem kleinen Interview-Büro im 9. Stockwerk aufgenommen. Ich hatte meine Jeans runtergelassen bis zu den Knöcheln, und Andy kniete vor mir mit seiner Kamera. In dem Moment ging die Tür auf und diese Geschäftsleute kamen reinmarschiert: Oh, das hier ist gar nicht das Architekturbüro? Und wir: Nein."

Der 1947 in Cleveland geborene O'Brien arbeitete später auch für andere US-amerikanische Zeitschriften wie Harper's Bazaar, Rolling Stone, Allure oder High Times. Am bekanntesten war vielleicht seine Mode-Kolumne "Style Guy" im Magazin GQ, die er von 1999 bis 2015 schrieb.

Aber O'Briens Schaffen blieb nicht auf das Schreiben beschränkt. Von 1978 bis 1982 war er Moderator der Sendung "TV Party", einem satirischen Gegenprogramm zur traditionellen amerikanischen Late-Night-Show. Die Gäste der Show waren O'Briens Freunde und Bekannte aus der Kunst- und Kulturwelt - von Robert Mapplethorpe über David Bowie bis zu Mick Jones von The Clash. In "TV Party" wurde offen Marijuana geraucht und auch ansonsten alles getan, um mit dem Lebensgefühl des Punk das Unterhaltungsfernsehen zu sprengen.

2015 versuchte es O'Brien noch einmal mit einer Fernsehshow. Wie der Titel "Tea at the Beatrice" aber schon andeutet, war es diesmal ein etwas braveres Format. In der Sendung plauderte O'Brien mit Gästen wie der Fotografin Nan Goldin oder dem Model Gisele Bündchen. Und er sah darin auch nicht mehr aus wie ein junger Punk, sondern eher wie der "Godfather of cool", wie es die New York Times beschreibt.

Am Freitag ist Glenn O'Brien nun im Alter von 70 Jahren in New York gestorben.

© SZ.de/luc/ewid

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