USA Der neronische Stil

Kantiges Kinn, trotzige Schnute, Misstrauen im Blick - Herrscherprofile des 1. Jahrhunderts nach Christus und im Jahr 2016: Donald Trump und Kaiser Nero (auf einem Stich aus dem Jahr 1882).

(Foto: Joe Raedle/AFP und imago/ZUMA Press)

Mit der Wahl von Donald Trump ins höchste Amt des Landes verabschiedet sich Amerika auch vom Klassizismus, dem republikanischen Design der Macht.

Von Gustav Seibt

Soll man den Trump Tower in New York nur geschmacklos nennen? Staunend betrachtet die Welt die Kulissen, in denen der erwählte Präsident der USA seine Regierung vorbereitet: polierter Marmor, vergoldete Flügeltüren, Kassettendecken, kannelierte Säulen, goldene Polstermöbel, schwere Teppiche, Glastische, riesige Vasen. Luxus als Befehl zur Überwältigung.

Der Kontrast zum Weißen Haus ist schlagend. Der offizielle Sitz des amerikanischen Präsidenten zeigt den absichtsvoll zurückhaltenden Stil eines englischen Herrenhauses nach dem Muster einer Palladio-Villa. Die amerikanische Republik hat sich an klassizistischen Mustern ...