USA Der Autor hinter dem Skandalbuch über Trump

Der Journalist Michael Wolff galt lange als It-Boy der New Yorker Medienszene: gut vernetzt und absolut mitleidlos. Alleine, dass er ins Weiße Haus hinein kam, zeigt, wie groß das Chaos dort unter Trump ist.

Von Kathleen Hildebrand

"Danke, Mr President", hat Michael Wolff am Donnerstagabend getwittert. Denn die gewaltige Nachfrage, die sein neues Buch gerade erlebt, hat er schließlich Donald Trump zu verdanken. Dessen Anwälte hatten noch am Donnerstag Unterlassungserklärungen von ihm und seinem Verlag gefordert. Wolffs Buch "Fire and Fury: Inside the White House of Donald Trump" dürfe nicht erscheinen. Resultat: Der Verlag zog die Veröffentlichung von Wolffs Insiderbericht, der in Washington gerade reihenweise Skandale aufdeckt, von Montag auf Freitag vor.

Dass Michael Wolff in den ersten Monaten von Trumps Präsidentschaft überhaupt ins Weiße Haus reinkam, ist vielleicht der stichhaltigste Beweis dafür, wie groß das Chaos in der Regierung gewesen ist. Ausgerechnet er, ein klassischer Liberaler und einer der bekanntesten Medienjournalisten New Yorks. Berühmt für seine brutalen Demontagen von Prominenten. Berüchtigt aber auch für die fröhliche Sorglosigkeit, mit der er die Regeln seines Berufsstands ignorieren soll. Ausgedachte Szenen, erfundene Zitate, nicht eingehaltene Absprachen über das, was er aus Gesprächen zitieren darf - Wolff wurde im Lauf seiner Karriere schon sehr viel vorgeworfen, was andere Journalisten nachhaltig diskreditiert hätte. Ihn selbst aber ließ all das immer nur noch mehr schillern. In dieser flamboyanten Unverwundbarkeit ist er seinem jüngsten Opfer Donald Trump gar nicht so unähnlich.

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Es heißt, dass viele in Wolff einen Verbündeten gesehen haben

Und so schlenderte der Mann mit den raspelkurzen weißen Haaren und den hellen Augen offenbar mit schöner Regelmäßigkeit durch die Flure des West Wings - und dann weiter schnurstracks ins Büro von Stephen Bannon. In einem Weißen Haus, das Leaks an die Presse schon früh als sein Hauptproblem ausgemacht hatte. Dass das möglich war, zeugt entweder von großer Nachlässigkeit der Trump-Regierung - oder von gewaltiger Selbstverliebtheit. Es heißt, dass viele in Wolff einen Verbündeten gesehen haben. Einen, der erzählen wolle, wie Außenseiter in Washington die Welt verändern. Er hatte ja vor der Wahl ein einigermaßen freundliches Porträt über Trump geschrieben und Stephen Bannon in einem Interview sagen lassen, dass "Dunkelheit" gut sei.

Und in gewisser Weise passte gerade dieser Journalist ja auch in gerade dieses Weiße Haus. Michael Wolff, 64 Jahre alt, galt schließlich lange als der "It-Boy" der New Yorker Medienszene. Als "typische Kreatur New Yorks, fixiert auf Kultur, Stil, Klatsch und auf Geld, Geld, Geld", wie es 2004 in einem Porträt der New Republic über ihn hieß. Wolff schreibt geistreich und lebendig. Vor allem aber traut er sich, jede private Information aufzuschreiben, die er hat.

Das machte ihn in den frühen Nullerjahren zum Star einer Branche, die wenig mehr liebt, als über sich selbst nachzudenken - und zu lästern. Die Medienkolumne, die er erst im New York Magazine und später in der Vanity Fair schrieb, war Pflicht-Lesestoff für New Yorker Journalisten, weil er dort regelmäßig irgendeinen Medienmenschen mit Präzision und Schadenfreude auseinandernahm. Oder auch nur, weil er über die Partys schrieb, zu denen alle anderen auch gern eingeladen worden wären.

Wolffs größtes Interesse galt dabei immer denen, die ganz oben sitzen in den Wolkenkratzern seiner Stadt: den Mogulen des Mediengeschäfts. Als er über den Medien-Investor Steven Rattner schreiben wollte, soll Wolff seinen kleinen Sohn zum Spionieren angehalten haben, als der bei Rattners Kind zum Spielen eingeladen war. Doch sein Interesse geht über das rein Berufliche weit hinaus. Michael Wolff bewundert diese extrem reichen Menschen, er gibt das in seinen Texten über sie auch halb freimütig, halb ironisch zu. Für einen interessanten Text nutzt er dann aber trotzdem alles, was er über sie weiß - mitleidlos.

Über Wolffs Biografie von Rupert Murdoch war dieser: entsetzt

Es sei "schwer", sich dem "Zauber zu entziehen", den diese Superreichen haben, schrieb Wolff 2007 in seiner Biografie über Rupert Murdoch, den CEO der News Corporation, zu der unter anderem der amerikanische Fernsehsender Fox News und das Wall Street Journal gehören. Murdoch hatte ihm mehr als 50 Stunden an Interviews gegeben, hatte auch Familie und Mitarbeiter gebeten, mit Wolff zu sprechen. Über das Ergebnis war er dann: entsetzt. Das Buch beinhalte "schädigende Fehldarstellungen", sagte er. Auf Twitter hat Wolff zugegeben, dass er während seiner Zeit im Weißen Haus ständig damit rechnete, Murdoch könnte Trump anrufen und sagen: Schmeiß diesen gemeinen Journalisten raus!

Rupert Murdoch dürfte damals derselben gefährlichen Fehleinschätzung erlegen sein wie Trump und sein Umfeld. Michael Wolff teilte schließlich einige der Ansichten Murdochs - unter anderem die Verachtung für viele von dessen Angestellten bei Fox - und er schrieb deshalb nicht nur kritisch über ihn. Auch mit Trump traf er sich 2016 einmal während der Vorwahlen und schrieb dann ein einigermaßen wohlwollendes Porträt. Und doch: Dass es nicht harmonisch ausgeht, wenn zwei sehr große, in ihren eigenen Erfolg verknallte Egos voneinander profitieren wollen - das hätte man ahnen können.

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