bedeckt München 31°

US-Wahl:Putins Agent? Von Greil Marcus

Falls er gewählt würde, so hat Trump gesagt, würde er sich noch vor der Vereidigung mit Russlands Präsident Putin treffen. Rechtlich gibt es dafür keine Grundlage: Im Namen der USA mit Russland zu verhandeln wäre Verrat. Und warum die Eile? Für Trump gibt es keinen Unterschied zwischen seinen privaten Interessen und dem Allgemeinwohl. Allgemeinwohl hat für ihn keine Bedeutung. Nehmen wir deshalb nun einmal an, Trump hätte Schulden in Höhe von vielleicht mehr als einer Milliarde bei russischen Finanzinstitutionen. Bei solchen Summen kommt in Russland, wie man weiß, schnell der Staat ins Spiel. Nehmen wir ferner an, Trump wollte diese Schulden loswerden, ehe er sein Amt antritt. Und dass er Putin dafür freie Hand in den russischen Nachbarstaaten anböte. Dann wäre Putin Trumps Erpresser, aber den Preis müssten die USA zahlen, nicht Trump.

Die Vereinigten Staaten haben einen weißen Suprematisten gewählt, einen Antisemiten und einen Mann, für den Frauen Waren sind, die man kauft und verkauft. Es könnte sein, dass sie - wie in einem Roman - auch einen Agenten Russlands gewählt haben.

Greil Marcus, 71, ist Kulturkritiker.