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US-Wahl:Die Unerhörten, von Saskia Sassen

Trumps Sieg macht klar, wie viele Menschen, darunter viele Alte, die zum ersten Mal gewählt haben, sich nicht repräsentiert fühlten von den politischen Klassen beider Parteien, nicht vertreten auch von Kommentatoren und Experten. Wir müssen das ernst nehmen. Die liberale Demokratie begann ernsthaft zu versagen, als in den Achtzigern die Weichen gestellt wurden für die neue, globale, deregulierte Wirtschaft. Dies ist der vorläufige Höhepunkt.

Obama war der letzte Atemzug, und er gewann, weil er so viele Afroamerikaner, Junge und Latinos mobilisierte. Trumps Sieg macht sichtbar, wie viele Amerikaner sich von der dominierenden Klasse vernachlässigt, umgangen und lächerlich gemacht fühlen. Von denen, die in den Medien die Interpretationshoheit besitzen darüber, was gut und richtig ist.

Trumps Sieg hat die vielen, vielen Menschen sichtbar gemacht, die von der tonangebenden liberalen und rechten Elite unsichtbar gemacht worden waren. Beide haben verloren. Das sollte uns zu denken geben: Massen, die dem angehören, was wir einmal Arbeiterklasse und untere Mittelschicht nannten, wurden nicht gehört. Ihre Stimmen zählten nicht. Ausgerechnet ein politisch unkorrekter, korrupter Milliardär hat ihnen nun eine Stimme gegeben.

Saskia Sassen, 69, ist Professorin für Soziologie an der Columbia University.