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US-Wahl:Leeres Gefäß, von Aleksandar Hemon

Mann kann die Dimensionen dieser Katastrophe gar nicht überschätzen. Seit dem Aufstieg des europäischen Faschismus in den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts ist nichts Vergleichbares passiert. Donald Trump ist nicht nur ein Rassist und Psychopath, Rassismus und Psychopathentum war sein Wahlprogramm. Das hat ihm nicht geschadet, sondern nur genützt. Was ihn zum Sieg getragen hat, ist der Eindruck in der weißen Bevölkerung, diese Wahl sei die letzte Chance, ihre historisch privilegierte Mehrheitsposition zurückzuerobern.

Trump selbst ist leer. Er ist das Gefäß für die Wut dieser Gruppe, die den weißen Nationalismus zum wichtigsten Punkt auf der politischen Tagesordnung der Republikaner gemacht hat. Jetzt hat aggressiver Rassismus ein Mandat, während weiße nationalistische Strukturen die Kontrolle über alle staatlichen Gewalten haben: das Weiße Haus, den Kongress und bald auch den Supreme Court. Trumps Macht wird riesig sein. Um die Kontrolle zu behalten, werden die Republikaner das System der weißen Vorherrschaft ausbauen und erhalten müssen. Dafür ist es nützlich, innere und äußere Feinde zu erfinden: Das bedeutet Krieg und Gewalt. Die Wahl von Trump bedeutet das Ende von Amerika als liberaler Demokratie, vielleicht das Ende von Amerika selbst. Es ist kein ernst zunehmendes Land mehr.

Aleksandar Hemon, 52, ist Schriftsteller, stammt aus Bosnien und lebt seit 1992 in den USA.