Männlichkeit in der Krise Was hinter dem Begriff "Nanny State" steckt

Nanny State - das müssen Sie erklären.

Sie sehen die Regierung als eine geschlechtstypisch weibliche Regierung, die von hart arbeitenden Männern nimmt und es Menschen gibt, denen Dinge wie eine Krankenversicherung, Bildung oder Sozialhilfe gar nicht zustehen - all diese Dinge, die sehr feminin konnotiert sind. Man muss bei Trump nicht das Geschlecht des Mannes selbst betrachten, sondern das seiner Politik. Was Trump tun möchte, ist doch: Er will die Kohleförderung wieder hochfahren, in die Infrastruktur investieren und ins Militär - nun, diese Dinge sind alle mit einem Geschlecht besetzt, nicht wahr? Und wenn er all das tun, woher holt er sich das Geld? Er holt es sich von den nationalen Zuwendungen für die Kunst, die Musik, für Bildung und den Umweltschutz. Trump macht die gegendertste, männlichste Politik, die wir jemals hatten.

In Deutschland gewinnt seit zwei bis drei Jahren die rechtsgerichtete Alternative für Deutschland (AfD) an Stimmen. Der Erfolg der Partei wird meist mit der Flüchtlingskrise in Verbindung gebracht. Denken Sie, als Experte für Politik und Männlichkeit, dass es noch einen anderen Grund geben könnte? Immerhin haben wir seit fast zwölf Jahren eine Kanzlerin.

Für die AfD-Unterstützer steht Merkel für die Entmannung des deutschen Mannes. Für sie ist Merkel die Verkörperung des Problems, dass der deutsche Staat schwächlich handelt, weil er sich schuldig fühlt wegen des Zweiten Weltkriegs. Für diese Menschen scheint es, als dürfe jeder herkommen, als würden sämtliche Einwanderer ins Land gelassen. "Und wenn sie einmal da sind, nehmen sie uns die Jobs weg" - so denken sie. Der Gedankengang "Wir sind starke Männer, aber uns wird gesagt, dass wir schwach sein sollen, dass wir uns zurückhalten sollen" - das sind einmal mehr die wütenden, weißen Männer; das ist, was ich "gekränkter Anspruch" nenne.

Wir haben über Amerika und Deutschland gesprochen. Gibt es ein Land oder eine Region in der Welt, in der Männlichkeitsproblematiken nicht in die aktuelle Politik hineinspielen?

Natürlich, es gibt viele Länder, in denen ein anderer Männlichkeitsbegriff existiert. Lassen Sie es mich so ausdrücken: Es ist nicht so, als gäbe es überall, wo es Männer gibt, diese Ideen. Aber überall, wo diese Ideen auftreten, werden Sie Männer finden. Es sind Männer, die an diese Ideen glauben. Für mich hat das nichts damit zu tun, biologisch ein Mann zu sein, es ist eher so, dass ein bestimmtes Männlichkeitsverständnis bei Leuten bestimmte politische Einstellungen hervorbringt. Es ist nicht zwangsläufig so, dass jemand gegen Einwanderer ist und sagt "Wir sollten unsere Grenzen schließen", weil er sich entmannt fühlt. Diese Verbindung muss bewusst hergestellt werden: indem wir die Grenzen schließen, bekommst du deine Männlichkeit zurück, indem wir die Kohleförderung ankurbeln, geben wir dir deine Männlichkeit wieder.

Reicht es, mit diesen Menschen zu sprechen, sich anzuhören, wie sie sich fühlen? Mir scheint es, als seien solche Überzeugungen tief verwurzelt in der Persönlichkeit dieser Männer.

Sagen wir es so: Ich glaube, man kann sie nicht erreichen, ohne mit ihnen über Männlichkeit zu reden. Die erste Regel jedes Therapeuten ist: Du sagst Menschen nicht, dass ihre Gefühle falsch sind. Aber du kannst ihnen sagen, dass ihre Gefühle keine akkurate Einschätzung ihrer Situation sind. Ich fühle insofern mit diesen Typen, als dass ich tatsächlich glaube, dass sie über den Tisch gezogen wurden. Sie haben ein schlechtes Geschäft gemacht - aber ich glaube nicht, dass es Einwanderer waren, die ihnen räuberische Kredite für ihre Häuser gegeben haben. Ich glaube nicht, dass Feministinnen für den Klimawandel verantwortlich sind. Ich glaube nicht, dass Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender ihre Jobs outsourcen. Diese Menschen haben ein Recht wütend zu sein, aber ihre Wut richtet sich gegen die Falschen. Es sind die Wirtschaftseliten, die ihnen das angetan haben. Auf die sollten sie ihre Energien richten. Sie sollten mehr auf Springsteen hören und weniger auf Bannon.

Männlichkeit in der Krise - ein Schwerpunkt

Dem Mann geht es nicht gut. Heißt es gerade immer wieder. Man gibt ihm die Schuld an allem, was schief läuft in der Welt. Sexismus, Gewalt, Populismus. Was ist los mit dir, Mann? Zeit für eine Inspektion. Lesen Sie: