US-Kino: "Atlas Shrugged" Die letzten Helden des Unternehmertums

Kapitalismus-Esoterik von Ayn Rand gilt als Einstiegsdroge für die politische Rechte in den USA. Nun wurde ihr Roman "Atlas Shrugged" verfilmt: ein radikales Antistaatstraktat.

Von Jörg Häntzschel

"Atlas Shrugged", der 1957 erschienene 1200-Seiten-Schinken von Alisa Zinovyevna Rosenbaum alias Ayn Rand, gehört in Amerika ebenso zum Jungsein wie Leichtbier, Kiffen und Baseball. Das Buch pflanzte in Millionen sensible Hirne eine Neigung zur Glorifizierung des Individuums und eine Abneigung gegen alles Herdenhaft-Kollektive ein. In den meisten Fällen wird Ayn Rands Kapitalismus-Esoterik von Hermann Hesse, Jack Kerouac, Indierock und den Ausläufern der Hippie-Ideologie aber zuverlässig neutralisiert.

Helden der Zukunft? Taylor Schilling (links) will als kühne individualistische Unternehmerin Dagny Taggart mit Vollgas Amerikas Zukunft retten.

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Für einige jedoch war Rand schon immer das, was ihre Biographin Jennifer Burns die "ultimative Einstiegsdroge zum Leben auf der politischen Rechten" nennt. Nicht wenige von denen machten später Karriere bei den Republikanern, bei rechten Think-Tanks und in der konservativen Presse: Ronald Reagan etwa oder Alan Greenspan. Doch offiziell bekannte man sich lieber nicht zu ihr. Sie hasste jede Form von Religion, verachtete die Familie und propagierte ungezügelten Sex-Ideen, die beim konservativen Mainstream nicht gut ankamen.

Seit dem Aufstieg der Tea Party jedoch nimmt man es nicht mehr so genau. Rand, die amoralische Exzentrikerin, ist für die hysterisierte Rechte nun zur Säulenheiligen aufgestiegen. Sie liefert das ideologische Futter ebenso wie die melodramatische Passion, mit der die Tea-Party-Anhänger ihre unerbittliche Kampagne zur Schrumpfung des Staats ausfechten - "bis er so klein ist, dass man ihn in der Badewanne ertränken kann", wie es der einflussreiche Anti-Steuer-Aktivist Grover Norquist formulierte. "Atlas Shrugged" wurde 2009 mehr als 500.000 Mal verkauft und hält sich auf Bestsellerlisten stabil unter den ersten 20.

Was bislang fehlte, war ein Weg, Ayn Rands Lehren ohne die Mühen der Lektüre unters Volk zu bringen. Der ist nun gefunden. Mitte April kam der erste Teil der Verfilmung von "Atlas Shrugged" in die Kinos, ein eilig zusammengeschustertes B-Movie, das nur zehn Millionen Dollar kostete und ohne einen einzigen Star auskommt. Der Regisseur Paul Johansson, sonst als Fernsehschauspieler unbekannt, gibt hier sein Regiedebüt.

Entsprechend vernichtend waren selbst in der konservativen Presse die Kritiken. Doch Ideologie kommt offenbar vor Unterhaltung. Zum Erstaunen des Hollywood-Establishments schaffte es der in nur 300 Kinos laufende Film auf ein sehr respektables Einspielergebnis von mehr als 1,5 Millionen Dollar. In den nächsten Wochen sollen 700 Kinos dazukommen.

Wir befinden uns im Jahr 2016. Amerika geht vor die Hunde, Öl kostet 37 Dollar pro Gallone, und die krakenhafte Regierung tut, was sie kann, um den Ruin noch zu beschleunigen. Die Sozialarbeiter von der "Umverteilungsbehörde" füttern obdachlose Tagediebe durch; ein neues Gesetz verbietet Privatpersonen den Besitz von mehr als einem Unternehmen, und die Eisenbahnergewerkschaft, die mit den Politlakaien unter einer Decke steckt, setzt ein Tempolimit von 60 Meilen pro Stunde für Dagny Taggarts supermoderne Hochgeschwindigkeitszüge durch.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, wie der schwarze Engel des Kapitalismus sich vor der Versklavung durch den Kolektivismus rettet.

Das "Tea Party"-Malbuch

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