Urteil zum Sampling im Hip-Hop Musiker, Maler und Literaten haben sich schon immer aus dem kulturellen Fundus bedient

Mit der Entstehung von Hip-Hop und Drum 'n' Bass hielt das Sampling Einzug in die populäre Musik. Wer neue Stücke einspielen wollte, begann mit der Suche nach originellen, seltenen und unverbrauchten Musiksequenzen, um daraus Neues zu mischen - "Diggin' in the Crates", das Graben in alten Plattenkisten. Dabei spielt die digital rearrangierte Musik mit dem kulturellen Gedächtnis: Samples aus bekannten Stücken wirken einerseits vertraut, andererseits aufgefrischt durch den neuen Kontext.

"Das Neue entsteht nicht aus dem Nichts, sondern leitet sich aus dem Fundus des Vorhandenen ab", schreibt der Soziologe und Blogger Georg Fischer - und umschreibt damit zugleich, dass das Sampling gar nicht so weit von jeglicher Kulturproduktion entfernt ist: Musiker, Maler und Literaten haben sich schon immer aus dem kulturellen Fundus bedient - zwischen Hommage und Abgrenzung, Zitat und Reformulierung.

Zur richterlichen Abwägung gehört aber auch die andere Seite - die Berücksichtigung der Eigentumsinteressen der Musikproduzenten. Dazu sagt das Gericht dreierlei. Erstens bedeutet das übliche Sampling mit kleinen Musikfetzen zwar eine finanzielle Ersparnis für den Künstler, aber keine wirtschaftliche Einbuße für den Produzenten - weil die übernommene Sequenz ja im Original vorhanden bleibt. Der Schutz des geistigen Eigentums umfasse eben nicht jede denkbare wirtschaftliche Verwertungsmöglichkeit, sondern solle lediglich sicherstellen, dass dem Produzenten unter dem Strich ein "angemessenes Entgelt" verbleibe, befindet das Gericht.

Chartstürmer werden möglicherweise zur Kasse gebeten

Zweitens: Sollte das Original so schamlos ausgebeutet werden, dass es doch Schaden nimmt, könnte das Sampling immer noch verboten werden. Und drittens, in den Worten des Senatsvorsitzenden Ferdinand Kirchhof: "Dem Gesetzgeber ist es allerdings nicht verwehrt, künftig in Fällen eines nennenswerten Einsatzes fremder Tonstücke eine Entgeltpflicht des Verwenders vorzusehen, die sich durchaus am wirtschaftlichen Ertrag des neu geschaffenen Musikwerks orientieren könnte." Man kann dies als ausdrückliche Einladung an den Bundestag ansehen, wenigstens jene Sampler zugunsten des Produzenten zur Kasse zu bitten, die, geschmückt mit fremden Federn, die Charts stürmen.

Kunstfreiheit, geistiges Eigentum, Gesetzesreform - eigentlich wäre damit alles gesagt. Gleichwohl stehen dem Verfahren womöglich noch mehrere Stationen bevor, die es in sich haben können. Zunächst geht es zurück zum Bundesgerichtshof, der das Urheberrecht - das nach seinen Buchstaben unangetastet geblieben ist - nun so auslegen muss, dass es zu den neuen Vorgaben passt. Das wäre nicht so schwer, stünde nicht die EU-Richtlinie zum Urheberrecht im Hintergrund. Einerseits klingt die Richtlinie ein wenig produzentenfreundlicher als das, was Karlsruhe nun zum Schutz des geistigen Eigentums geschrieben hat, andererseits ist die Kunstfreiheit auch in der EU-Grundrechtecharta verankert.

Kurzum: Der Fall könnte vom Bundesgerichtshof zum Europäischen Gerichtshof wandern und dann wieder zurück nach Karlsruhe. Man sieht sich dann im Jahr 2020 oder so.

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Urheberrecht: Muss Sampling in der Musik erlaubt sein?

Das Verfassungsgericht hat ein restriktives Urteil zum Sampling gekippt. Moses Pelham und Kraftwerk streiten um einen zweisekündigen Beat, den Pelham von den Elektro-Pionieren übernommen und daraus ein neues Stück gebaut hatte. Die Karlsruher Richter urteilten: Samples sind unverzichtbar für bestimmte Musik-Genres.