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Entscheidung im Kunstfälscher-Prozess:Das zentrale Motiv: Geld

René Allonge also hätte ein paar Bilder zeigen können, vom Schwimmbad zum Beispiel, in dem Anwesen, das Beltracchi in Freiburg hatte bauen lassen. Ein Gesamtkunstwerk ist das. Er habe sich "da richtig ausgetobt", erzählte er. Das Toben hat, erzählt der Architekt des Hauses, im Falle des Schwimmbads allein eine Million Euro gekostet.

LKA präsentiert Gemäldefälschungen

Das "Frauenportait mit Hut" (l) von Kees van Dongen und "Frauenakt, Liegender Akt mit Katze" von Max Pechstein wurden als Fälschungen entlarvt. 

(Foto: dpa)

"Geld war bei Beltracchi das zentrale Motiv. Er hat immer noch mal 'ne Nummer drauf gesetzt, in ausufernder Weise", sagt René Allonge, "aber auf Kosten anderer Menschen und fremden Geldes, und das ist für mich der Knackpunkt. Ich bin Polizist."

Die Klarheit dieses Mecklenburgers wäre vermutlich verstörend gewesen in der warmen Atmosphäre des Gerichtssaales. Den Ton gab der Vorsitzende Richter Wilhelm Kremer vor. Er hat den Saal, nicht nur seines rheinischen Dialektes wegen, oft zum Lachen gebracht, zuletzt, als er sich bei den Doktortiteln des Werner Spies verzählte. Wolfgang Beltracchi bedankte sich in seinem Schlusswort denn auch bei Kremer, "dass alles so fair und locker war", dass "der rheinische Humor uns gutgetan hat, auch wenn das Schwert dahinter aufblitzte".

Es blitzte aber gar nicht. Es schimmerte. Es schimmerte an dem Tag, als der "Deal", die Verständigung, die zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung zu Beginn des Prozesses ausgehandelt worden war, zu brechen drohte. Strafminderung gegen umfassende Geständnisse, war die Formel. Die Angeklagten gestanden also in vierzehn Fällen das, was man ihnen in langer Beweisaufnahme hätte nachweisen müssen und, wie René Allonge sagt, auch können.

Im Gegenzug lässt die Staatsanwaltschaft die Finger von den 39 anderen gefälschten Bildern, die ebenfalls aus Beltracchis Hand stammen. Seit 1986 haben er und seine Helfer Bilder auf den Markt gebracht. Dass der Deal die Staatsanwaltschaft an den Rand der Machtlosigkeit drängte, sah man also an diesem 19. Oktober, als Staatsanwältin Kathrin Franz den Versuch unternahm, weitere Schriftstücke in die Hauptverhandlung einzuführen. Sie sollten beweisen, dass es zwischen den Angeklagten schon lange eine bandenmäßige Verbindung gab. Reinhard Birkenstock, neben Christian Rode, einer der Anwälte Beltracchis, entlud sogleich sehr laut einen Vorwurfskübel über Frau Franz. Ihr Vorgehen sei "unterhalb der Gürtellinie", sie durchlöchere "die Basis" des Deals, und außerdem kenne er diese Schriftstücke nicht.

Sehr gute Beweislage

"Sie sind Teil der Akten", sagte daraufhin Frau Franz. "Wenn Sie die Akten nicht kennen, Herr Birkenstock, kann ich auch nichts dafür!", polterte nun der Vorsitzende Richter, der diese Akten auch nicht kannte. Am Ende machte die Staatsanwaltschaft einen Rückzieher.

Natürlich würde René Allonge niemals die Entscheidung des Gerichts kommentieren, seine Kompetenz endet mit der Abgabe der Ermittlungsakten. "Wir haben eine sehr gute Beweislage geschaffen", sagt er, "die dazu geführt hat, dass überhaupt Geständnisse vorliegen. Wir haben viele Fälschungen aus dem Verkehr gezogen, den Markt bereinigt." Solche Sätze. Dann schweigt er.

Die rückhaltlose Aufklärung des gesamten Falles, für den Allonge mit seinen Leuten gearbeitet hat, hat es im Kölner Gerichtssaal nicht gegeben. Es muss ein mäßig befriedigendes Gefühl für den Ermittler sein, nun dem Fälscher Beltracchi die Entscheidung überlassen zu müssen, "was er noch preisgibt und was nicht". Die Preisgabe könnte er sich einiges kosten lassen, und Beltracchis Vermarktung ist längst in vollem Gange. Vielleicht ist der Gerichtssaal für ihn nur ein Durchgangsstadium. Talkshows. Ein Buch. Ein Film. Beltracchi weiß doch, wo noch überall Beltracchis hängen.