Ein Jahr mit Navid Kermani:Der gute Mensch von Isfahan

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Ein Jahr mit Navid Kermani: Kermani ist zurückhaltend und ziemlich gern allein.

Kermani ist zurückhaltend und ziemlich gern allein.

(Foto: Julian Baumann)

Der Schriftsteller Navid Kermani hat sich zu einem der einflussreichsten Intellektuellen Deutschlands entwickelt. Er stößt viele vor den Kopf, trotzdem spricht fast jeder gut von ihm. Was ist sein Geheimnis?

Von Tobias Haberl

Noch 24 Stunden, bis er den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen überreicht bekommen, mit Wolfgang Schäuble Lammlachse auf Aprikosenragout essen und seinen 50. Geburtstag feiern wird, eigentlich gäbe es jede Menge zu erledigen, zum Beispiel könnte er seine Dankesrede noch mal durchgehen, aber Navid Kermani hat jetzt Wichtigeres zu tun: Nach zwölf Spieltagen steht der 1. FC Köln mit zehn Niederlagen, zwei Unentschieden und vier Toren auf dem letzten Tabellenplatz, dazu kommen zehn verletzte Stammspieler, da reicht es nicht, wenn man Sky schaut und Daumen drückt; also sitzt Kermani im Rheinenergiestadion in Köln, in der einen Hand einen Vereinsschal, in der anderen eine mit Ketchup beschmierte Krakauer im Brötchen, die ihm seine Tochter Raha abgetreten hat. Es ist ein frostiger Sonntagabend, er trägt eine Skimütze und Wanderstiefel, aus seinem Mund drängen Atemwölkchen. Fünf Minuten vor Spielbeginn springt er auf, lässt den Schal durch die Luft kreisen und singt zusammen mit den 47 000 anderen Zuschauern:

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