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Universität in England:Oxford protestiert

Ein offener Brief gegen die Blavatnik School of Government in Oxford, die vom russisch-amerikanischen Millionär gleichen Namens gestützt wird. Die Frage ist: Hat sie ihren guten Namen verkauft?

Seit fünf Jahren werden in Oxford Studenten der Blavatnik School of Government auf führende Posten in Politik und Wirtschaft vorbereitet. Benannt ist das Institut nach dem russisch-amerikanischen Milliardär Leonid Blavatnik, dessen Spende in Höhe von rund 105 Millionen Euro es auch zu verdanken ist, dass es demnächst in ein eigens errichtetes Gebäude umziehen kann. Der Entwurf des Schweizer Architekturbüros Herzog & de Meuron hatte bei seiner Enthüllung vor drei Jahren eine Kontroverse ausgelöst. Deutlich harscher fällt jetzt allerdings die Kritik der Unterzeichner eines offenen Briefs an den Guardian aus. Darin geht es nicht um Bauästhetik, sondern um nicht weniger als den "Ausverkauf des guten Rufs der Universität an Wladimir Putins Partner".

Die Unterzeichner, darunter der ehemalige stellvertretende russische Energieminister Wladimir Milow und der prominente Anwalt Boris Kusnetsow, beschuldigen Blavatnik, 2008 an einer staatlich gestützten Kampagne gegen die britische Erdölfirma BP beteiligt gewesen zu sein. Damals mussten Robert Dudley, Chef des russisch-britischen Partnerunternehmens TNK-BP, und zahlreiche andere westliche Manager nach einer von Dudley selbst so genannten "Schikanenkampagne" Russland verlassen. Hinter der Kampagne stand laut den Unterzeichnern Access-Alfa-Renova (AAR), ein Konsortium russischer Oligarchen, dem auch Blavatnik angehörte. Der russische Geheimdienst FSB habe sie dabei mit "erfundenen Vorwürfen" gegen die westlichen BP-Mitarbeiter unterstützt; auch russische Medien hätten sich durch Propaganda an der konzertierten Aktion beteiligt. 2013 verkaufte AAR seine TNK-BP-Anteile mit Milliardengewinnen an das staatliche Ölunternehmen Rosneft.

Der Brief fordert eine Untersuchung der Vorwürfe durch die Universität und eine "Reform der Annahme ausländischer Spenden, um zu gewährleisten, dass sie zukünftig auch langfristig zum Wohle der Universität sind". Die Universität selbst äußerte auf Anfrage des Guardian, ihre Prozeduren zur Prüfung philanthropischer Spenden seien "gründlich und robust".