Unesco Le-Corbusier-Häuser in Stuttgart sind Weltkulturerbe

Le-Corbusier-Haus der Stuttgarter Weissenhofsiedlung

(Foto: dpa)

Zwei Mal war ein Antrag abgelehnt worden - jetzt hat die Unesco zwei Gebäude der Stuttgarter Weissenhofsiedlung zum Weltkulturerbe ernannt.

Zwei Häuser der Stuttgarter Weissenhofsiedlung des Stararchitekten Le Corbusier sind zum Weltkulturerbe ernannt worden. Die Unesco nahm am Sonntag in Istanbul Bauten Le Corbusiers in sieben Ländern auf die Liste des Welterbes auf, wie die Kulturorganisation der Vereinten Nationen mitteilte.

Der internationale Antrag für die Aufnahme der Le-Corbusier-Bauten war zuvor zweimal abgelehnt worden. An der überarbeiteten Form haben sich jetzt sieben Staaten von drei Kontinenten beteiligt. Neben Deutschland waren das Argentinien, Belgien, Frankreich, Indien, Japan und die Schweiz. Der Antrag betonte die herausragende Bedeutung Le Corbusiers für die Architektur des 20. Jahrhunderts. Das Werk sei Zeugnis der Globalisierung der Moderne, hieß es.

Ursprünglich sollte die Entscheidung zur Weissenhof-Siedlung bereits am Samstag fallen. Das Komitee hatte seine Sitzung aber wegen des Putschversuchs in der Türkei am Freitag unterbrochen und erst am Sonntag zunächst fortgesetzt. Wegen der Sicherheitslage entschied sich die Unesco dann aber, die eigentlich bis zum 20. Juli geplante Sitzung vorzeitig abzubrechen. Die verbliebenen Tagesordnungspunkte sollen bei einem außerordentlichen Termin nachgeholt werden.

"Ansporn für Architekten und Stadtplaner"

Die Ernennung der Stuttgarter Häuser zum Weltkulturerbe ist von Land und Stadt gefeiert worden. "Es ist ein großartiger Erfolg für ganz Baden-Württemberg", sagte die neue Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) des Bundeslandes. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) bewertete die Siedlung als auch nach fast 100 Jahren noch vorbildhaft: "Le Corbusiers Impuls, günstige Wohnungen mit innovativen Grundrissen und neuen Materialien zu bauen, ist noch immer wegweisend und muss daher Ansporn für unsere Architekten und Stadtplaner sein."

Die gesamte Weissenhofsiedlung mit ihren noch elf von ursprünglich 33 im Original erhaltenen kubischen Flachdachhäusern solle weiterhin im Zentrum der Arbeit zum kulturellen Erbe stehen, hieß es bei der Stadt. Aktuell werde für die Siedlung in Kooperation mit fünf weiteren europäischen Werkbundsiedlungen der 1920/30er-Jahre ein Antrag für das Europäische Kulturerbesiegel vorbereitet.

Die Weissenhofsiedlung in Stuttgart wurde 1927 als Mustersiedlung erbaut. 17 Architekten unter der künstlerischen Leitung von Ludwig Mies van der Rohe sollten die Frage beantworten, wie künftig gewohnt und gelebt werden soll. In weniger als einem halben Jahr entstanden 63 Wohnungen.

Das Konzept: Häuser sollten nicht der Repräsentation dienen, sondern sich nach den Bedürfnissen der Bewohner richten, Luft und Licht bieten. Kein verschnörkelter Jugendstil mehr, stattdessen würfelförmige, schmucklose Gebäude mit großen Fenstern und Dachterrassen. Die Nationalsozialisten diffamierten die Siedlung als "Araberdorf", im Zweiten Weltkrieg wurde ein Teil der Häuser zerstört. Seit 1958 steht die Siedlung unter Denkmalschutz.

Weitere neue Stätten des Weltkultur- und Weltnaturerbes:

  • die Felsmalereien der Kulturlandschaft am Hua Shan und am Fluss Zuo Jiang im Süden China
  • die Ruinenstadt von Nalanda Mahavihara im Osten Indiens
  • das persische Qanat-Bewässerungssystem in Iran
  • der Hafen von Antigua und Barbuda, genannt Nelson's Dockyard
  • das Architekturensemble von Oscar Niemeier in Pampulha (Belo Horizonte) in Brasilien
  • die mittelalterlichen Grabsteine auf dem Gebiet des früheren Jugoslawiens.
  • die Megalithgräber Dólmenes de Antequera in Spanien.
  • die antike Stätte von Philippi in Griechenland
  • die archäologische Stätte von Ani in der Türkei
  • die Gorham-Grotte in Gibraltar
  • Nan Madol, eine Ruinenstadt auf 99 künstlichen Inseln in Ost-Mikronesien, wurde gleichzeitig in die Liste des Welterbes und die Rote Liste der gefährdeten Welterbestätten aufgenommen.
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