Zerstörte Kunstwerke Von Fettecken und Badewannen

An einem Frühlingstag des Jahres 1982 stieg Joseph Beuys auf eine Leiter in der Düsseldorfer Kunstakademie und packte eine Portion Butter an die Wand. "Fettecke" hieß das Kunstwerk, das fünf Meter über dem Fußboden vor sich hin triefte. Vier Jahre später, Beuys war seit einigen Monaten tot, die Butter noch in großen Teilen an Ort und Stelle, ereignete sich der bislang wohl bekannteste Fall versehentlichen Kunstfrevels: Der Hausmeister der Kunstakademie wurde des ranzigen Geruchs überdrüssig und entfernte den Fettklumpen.

Berühmtestes zerstörtes Kunstwerk: Eine der "Fettecken" von Joseph Beuys.

(Foto: dpa)

Es folgten: ein Aufschrei in der Kunstszene und eine Klage des langjährigen Beuys'schen Atelierleiters Johannes Stüttgen. Seinen Angaben zufolge hatte Beuys die Butter-Aktion in der Kunstakademie mit den Worten "Johannes, jetzt mache ich dir endlich deine Fettecke" eingeleitet. Stüttgen sah sich deshalb als Eigentümer - und das für die Kunstakademie verantwortliche Land Nordrhein-Westfalen zahlte ihm 40.000 Mark.

Es handelt sich hier um ein klassisches Beispiel versehentlicher Kunstzerstörung. Beuys-Kenner wissen, dass Fett in seinem Wirken eine wichtige Rolle spielte. Viele andere sind sich darüber einig, dass ranzige Butter in Zimmerecken nach schnellstmöglicher Beseitigung schreit. Wenn Kunst nicht als solche erkannt wird, das ist an dieser Stelle klar ersichtlich, so ist die Gefahr, dass sie zerstört wird, relativ groß.

Beuys konnte sich davon bereits zu Lebzeiten überzeugen: 1973 steuerte er eine Badewanne zu einer Ausstellung bei. Noch bevor die Ausstellung aufgebaut wurde, veranstaltete der SPD-Ortsverein Leverkusen-Alkenrath in den Räumlichkeiten eine Party. Nach Ende des Festes wurde die Badewanne von den Damen des Ortsvereins kurzerhand genutzt, um darin Geschirr zu spülen. Beuys klagte - und erhielt ebenfalls eine Entschädigung.