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Un-su Kim:Der Boxer bleibt

Der südkoreanische Autor Un-su Kim serviert seinen schrillen Thriller "Heißes Blut" schockgefroren.

Von Bernd Graff

Guam kann sehr kalt sein. Der südkoreanische Autor Un-su Kim, 48, hatte den internationalen Thriller-Markt mit einem Überraschungscoup überrumpelt. Sein Roman "Die Plotter" erschien 2017 in einer französischen Übersetzung und war wie ein Wink mit der Wumme, den noch jeder verstanden hat. Ein Waisenkind, dazu ohne jede Schulbildung, wird von einem warmherzigen "Old Racoon" aus jeder Schicksalspein erlöst, indem er aus ihm einen Auftragskiller macht. Er reüssiert in einem strikt arbeitsteilig und effizient arbeitenden Mördermetier. Die Plotter planen, Tracker tracken und die Killer killen. Einfach geht es zu bei Un-Su Kim.

Sein Buch war wegen des schrillen Humors, des einsamen Helden, der globalisierungskritischen Brutalität ein durchschlagender Erfolg, es wurde preisgekrönt und gleich in mehrere Sprachen übersetzt, die deutsche Version erschien wie Kims neuester Streich "Heißes Blut" im Europa-Verlag. Beide Romane sind Teil einer angekündigten Trilogie, die von den Abscheulichkeiten böser Männer handelt, die sich bei allem Handlungserfolg im Grunde doch selber hassen und mit jedem Mord ein Stück von sich selbst töten. Und doch: So heiter und beseelt waren abgebrühte Profis selten bei der Arbeit. Denn auch das blutigste Geschäft geht ja frisch von der Hand, wenn man denn einen Plan hat.

Un-Su Kim: Heißes Blut. Thriller. Europa Verlag, München 2020. 584 Seiten, 24. Euro

"Heißes Blut" knüpft in diesem Sinne an den Vorläufer an. Der ehemalige Boxer Huisu ist nun ein Meistermanager zwielichtiger Geschäfte. Er wirkt offiziell als Chefangestellter eines Strandhotels, doch im eigentlichen Dunkel-Business muss, will und kann er Kunden mit dem Sashimi-Messer überzeugen wie kein zweiter. Oder dann eben auch mal nicht. Un-su Kim hat eine schier unglaubliche Gabe, noch die krudesten Handlungen und Verhaltensweisen plausibel, fast modern, rational und unbedingt zeitgemäß erscheinen zu lassen. Und darum ist es auch nur logisch, dass Gangster keinen Anzug tragen sollten.

© SZ vom 29.10.2020
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