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Umstrittenes Experiment beendet:Personenschutz beantragt

Hunderte wütende Mails hat Mehnert nach eigenen Angaben bekommen, auch auf Twitter, Facebook und in Online-Foren sei ein Sturm der Entrüstung ausgebrochen. Darunter waren Tierschützer wie etwa der Verein gegen Tierfabriken: Zwar sei es wichtig, auf die Gefährlichkeit von Drohnen hinzuweisen, doch "ein Kunstprojekt, welches sich eines Tierversuchs bedient, ist ein totaler Rückschritt", heißt es in dessen Pressemitteilung.

Mehnert erzählt: "Es gab auch Morddrohungen. Das ging so weit, dass ich nicht mehr gut schlafen konnte. Dann habe ich die Droh-Mails ausgedruckt, bin damit zur Polizei gegangen und habe Personenschutz beantragt."

In den vergangenen Tagen hatte der Künstler öfter Kontakt mit der Polizei, als ihm lieb war. Zweimal habe er Besuch bekommen. "Beim ersten Mal waren es Streifenpolizisten, die Anzeigen von Tierschützern wegen Tierquälerei nachgegangen sind. Die waren sehr freundlich und haben sich nur überzeugt, dass die Ratte artgerecht gehalten wird."

Florian Mehnert

Auch Florian Mehnert selbst wurde Ziel der Empörung: Hunderte wütende Mails, etliche Morddrohungen.

(Foto: privat)

Besuch vom Staatsanwalt

Kurz darauf hätten Staatsanwalt, Hauptkommissar und Tierschutzbeauftragter geklingelt und höflich, aber bestimmt Druck ausgeübt. Mehnert glaubt, die Staatsschützer hätten ob des Ausmaßes der Wut und Empörung Angst bekommen. "Obwohl sie keine juristische Grundlage hatten, haben sie mir 'aus Sicherheitsgründen' dazu geraten, das Experiment zu beenden."

Diese Warnung sei aber nicht ursächlich für den Abbruch gewesen, sagt Mehnert. "Ich hätte das Projekt ohnehin vorzeitig beendet und eigentlich Mittwochabend dafür in Erwägung gezogen." Der Besuch von Staatsanwaltschaft und Polizei hätte den Abbruch nur beschleunigt.

Ratten wichtiger als Drohnenopfer?

Wenn man Aufmerksamkeit als Maßstab nimmt, war das Experiment ein voller Erfolg: 6000 Unterschriften für die Petition "Stoppen Sie das Rattenexperiment!", Medienecho in ganz Europa. Zeitweise sei er nicht mehr zum Essen gekommen, sagt Mehnert, weil ständig das Telefon geklingelt habe.

Sein persönliches Fazit: "Das Projekt hat zwei Dinge gezeigt: Menschen empören sich mehr über den vermeintlichen Tod einer Ratte als über den realen Tod der Drohnenopfer. Und sie verdrängen dabei, dass die Installation prinzipiell genau das nachvollzieht, was jeden Tag passiert. Teilweise wurde mehr über die Ratte diskutiert als über Kampfdrohnen."

Offensichtlich würden sich Drohneneinsätze nur eingeschränkt für öffentliche Debatten eignen. Niemand wisse, wie man dagegen protestieren und wen man konkret dafür verantwortlich machen könne. "Wenn ich mich dagegen als Künstler, als Person hinstelle, dann gibt es ein Ziel für die Empörung."

Florian Mehnert 11 Tage Screenshot

"Game over!" Die Rattenjagd in der Ego-Shooter-Perspektive ist vorbei. Stattdessen hängen jetzt Fotos von mutmaßlichen Drohnenopfern in der Box.

(Foto: Eigener Screenshot)

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