Ulrike Almut Sandig im Interview:"Das Gedicht ist nicht so zart und zerbrechlich, dass man es schützen müsste"

Lesezeit: 5 min

Ulrike Almut Sandig

Regelmäßig steht Sandig mit einem DJ auf der Bühne. Zusammen machen sie aus Gedichtzeilen fluoreszierende Klang-Überraschungen.

(Foto: Goethe Institut Ukraine)

Dichterin Ulrike Almut Sandig über gesungene Gedichte, schlechte Verkaufszahlen und das vermeintliche Image-Problem der deutschen Lyrik.

Interview von Hannes Vollmuth

Häufig lässt das Bauchgefühl einen glauben, eine Sache müsse so und so sein, und dann ist es irritierenderweise genau umgekehrt. Von der Lyrik würde man dem Bauchgefühl nach zum Beispiel annehmen, dass sie in Zeiten von Whatsapp, Netflix und Pokémon Go ein jämmerliches Nischendasein in Germanistikoberseminaren mit dicken Staubmäusen unter den Bänken fristet. Der US-Schriftsteller Gary Shteyngart sagte vor Kurzem in einem Interview: "In Amerika werden Gedichte nur noch von Lyrik-Professoren gelesen, die Studenten unterrichten, welche wieder Lyrik-Professoren werden." Und sein Kollege Ben Lerner, selbst Lyriker, veröffentlichte einen Essay mit dem Titel "Warum hassen wir die Lyrik?", in dem er der Frage nachgeht, weshalb Poesie marginalisiert wird und als elitäre Kunstform verschrien ist.

SZ-Plus-Abonnenten lesen auch:
Wir 4
Sabbatical
Auf Weltreise mit Kindern
Geschwisterbeziehungen
Geliebter Feind
Digitalisierung
KI, unser Untergang?
Medizin
Ist doch nur psychisch
Altersunterschiede in der Liebesliteratur
Die freieste Liebe
Zur SZ-Startseite