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Ulrich Wickert als Krimiautor:Junge Mädchen und alter Käse

Das Genre Krimi mit seinen eindeutigen Regeln bietet dem Autor eine gute Plattform, um einerseits das Ausmaß moralischer Verwahrlosung und andererseits französische Traditionen zu erklären. Eine Gerichtspräsidentin tritt auf, die ihr Gericht so unabhängig leitet, "wie es unter dem jeweiligen Justizminister möglich war".

Sie versucht, Ricou den Rücken freizuhalten, "wenn der Druck aus der Politik zu groß wurde". Aber die Verbindung von Geheimdienst- und Wirtschaftsapparat ist eine wirkliche Macht.

Der Lobbyist Leroc, der zwanzig Jahre für den französischen Auslandsgeheimdienst DGSE gearbeitet hat, klärt die Journalistin Margaux über die Welt auf. "Vierhundert Panzer haben wir dem libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi unter dem Kamelsattel weggeschossen".

Leroc, der Mormann bei dessen Flucht vor deutschen Ermittlern geholfen hat, wird heimtückisch umgebracht. Der echte Holzer wurde vorigen Monat in Augsburg wegen Fluchthilfe für Pfahls zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Der Rhythmus stimmt, die Deutschland-Fakten nicht

Der Krimi mit Monsieur Ricou, Madame Margaux und den anderen erlaubt es Wickert auch, seine frankophilen Neigungen zu demonstrieren. Über Wein und gutes Essen finden sich wieder mal nette Betrachtungen und erwähnt wird auch, dass Belleville und nicht Montmartre, wie die meisten glauben, der höchste Punkt von Paris ist. Auch Wickert selbst kommt irgendwie vor.

Im November 2005 hatte die Französische Republik den deutschen Journalisten, der Ordensträger des "Chevalier du Mérite agricole" und Mitglied einer französischen Käsegilde ist, in den Rang eines Offiziers der Ehrenlegion erhoben.

Seitdem erzählt Wickert gern, dass er im Falle einer Festnahme in Frankreich ein Anrecht auf eine Einzelzelle habe und sogar das Essen im Hotel bestellen dürfe. Im Roman ist auch Mormann Offizier der Ehrenlegion und lässt sich das Essen in den Knast bringen.

Ein lesenswerter Krimi. Der Rhythmus stimmt, wenngleich Ricou schon mal steckenbleibt, als habe die Puste nicht mehr ausgereicht. Ein paar Ungenauigkeiten gibt es auch, wenn Wickert über deutsche Verhältnisse schreibt.

So ist die Rede von dem "Generalstaatsanwalt beim Oberlandesgericht in Leipzig". Keine Besserwisserei, aber Leipzig hat weder ein Oberlandesgericht noch einen Generalstaatsanwalt. Der sitzt in Dresden, wo im Ständehaus am Schlossplatz das Oberlandesgericht untergebracht ist.

Dass weder die CDU noch gar der Kanzler das Geld bekommen haben, wird erst ziemlich am Ende enthüllt. Das mit dem Hinweis auf die Kanzlerpartei war nur ein Trick fieser Manager, die selbst das Geld eingesteckt hatten. Simples Kick-Back.