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Ulla Unseld-Berkéwicz zum 60.:Nicht gern im Rampenlicht

Als Tochter eines Arztes und einer Schauspielerin in Gießen geboren, hatte sie zunächst ebenfalls die Schauspiellaufbahn eingeschlagen. In Erinnerung an ihre jüdische Großmutter änderte sie ihren wenig karrieretauglichen Namen Ursula Schmidt in Ulla Berkéwicz und fand mit Regisseuren wie August Everding, Claus Peymann und Peter Zadek Anerkennung und Respekt.

Suhrkamp-Verlagsleitung bleibt

Das angesehene Haus, das über Jahrzehnte hinweg mit seiner regenbogenfarbigen Edition die gesellschaftliche Debatte der Bundesrepublik bestimmt hatte, stand vor der Zerreißprobe, als Berkéwicz im vergangenen Jahr den Umzug von Frankfurt nach Berlin anordnete.

(Foto: dpa)

Anfang der 80er Jahre kam die große Zäsur. Weil sie nicht gern im Rampenlicht steht, wie sie später der Zeit verrät, tauschte sie die Bühne mit dem Schreibtisch.

Ihr Erzähldebüt "Josef stirbt" (1982) wurde ein großer Erfolg. Und sie lernte, nach einer ersten Ehe mit dem Regisseur Wilfried Minks, als neue Suhrkamp-Autorin den Mann ihres Lebens kennen. "Ein edles Übermaß der Vorzeit", so beschrieb sie Unseld nach der ersten Begegnung.

Spätere Werke wie "Michel, sag ich", "Mordad" und "Zimzum" stießen auf unterschiedliches Echo. Ihr Romandebüt "Engel sind schwarz und weiß" (1992) über junge Menschen in der NS-Zeit löste derart hämische Verrisse aus, dass der Sozialpsychologe Tilmann Moser ein Buch über "Literaturkritik als Hexenjagd" schrieb. In ihrem vorerst letzten Werk "Überlebnis" (2008) setzt sie sich radikal subjektiv mit dem Tod ihres Mannes auseinander.

Heute hält die Verlagschefin über die Familienstiftung 61 Prozent an Suhrkamp. Der Rest gehört dem Hamburger Medienunternehmer Hans Barlach, der mit Berkéwicz nur noch gerichtlich verkehrt. Der schon vom Vater entmachtete Unseld-Sohn Joachim hatte seinen 20-Prozent-Anteil nach einer jahrelangen Dauerfehde mit Berkéwicz 2009 an sie und Barlach abgegeben - und damit den Weg für den Umzug nach Berlin freigemacht.

Aufrecht und geradeaus

Das Einstandsfest an der Spree wurde für die Verlegerin zum Triumph: Ein Großaufgebot renommierter Autoren begrüßte den Verlag zum 60. Jahr seines Bestehens im neuen, gemieteten Domizil in der Hauptstadt.

Und auch wenn die Suche nach einem eigenen Verlagshaus noch weitergeht, sind inzwischen ruhigere Zeiten eingekehrt. Zum Geburtstag der Chefin stehen derzeit gleich vier Suhrkamp-Autoren auf der Bestsellerliste, darunter Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa. "Die Straßen in der Hauptstadt sind breiter", hat Berkéwicz in einem ihrer seltenen Interviews gesagt - "dort kann man vielleicht sogar ein Stück weit aufrecht gehen und geradeaus".

© sueddeutsche.de/dpa/rela
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