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Zum Tod von Uli Stein:Meister der Mäuse

Cartoonist Uli Stein gestorben

Einen "Mäusebus" gab es auch. Hier verabschiedet der Künstler Uli Stein ihn gerade.

(Foto: Peer Grimm/dpa)

Fast 200 Millionen Cartoon-Karten hat Uli Stein verkauft - bemalt mit eieräugigen Menschen, Pinguinen, Hunden, Mäusen. Nachruf auf einen, der immer nur eines wollte: Spaß machen.

Von Jakob Biazza

Angefangen hat es, wie es so oft anfängt in diesem Genre: mit einer Leerstelle. Uli Steins Verleger Gerd Koch hatte sie entdeckt. Seine Diagnose: Auf dem deutschen Markt gibt es keine Cartoon-Karten. Das mag banal klingen, spricht aber für Kochs Weitblick. Etwa 200 Millionen Stück sollte sein Schützling Stein am Ende verkaufen - bemalt mit eieräugigen Knollennasenmenschen, Pinguinen, Hunden, Katzen und Mäusen. Vor allem Mäusen. Dazu kamen fast zwölf Millionen Bücher. Und Tassen. Und Plüschtiere.

Zyniker würden wohl sagen: noch mehr Mäuse.

Zyniker sind allerdings auch schreckliche Menschen, für die Uli Stein nicht gezeichnet haben dürfte. "Ich möchte den Leuten Spaß machen, sie unterhalten und ihnen schöne Momente geben in trüben Zeiten oder auch in guten Zeiten", sagte er 2009 in einem Interview. Auch das mag banal klingen, andererseits spiegelt der Erfolg des Cartoonisten in seinem Umfang ja eher ein demokratisches Votum wieder als bloß Verkaufszahlen. Und wenn die Masse damit also über den Zynismus gesiegt hat, dann ist das doch wahrlich eine spaßige Nachricht für diese trüben Zeiten.

Zumal Steins Erfolg keineswegs ausgemacht war. Angefangen hat es nämlich mit einem selbst für dieses Genre ungewöhnlichen Problem­: "Mein Problem war, dass ich anfangs nicht zeichnen konnte", erzählte Stein vor etwa zehn Jahren. Man gratulierte ihm da an ähnlicher Stelle gerade zum 65. Geburtstag. "Anfangs habe ich Comics nur mit Köpfen und viel Text gezeichnet und mich erst später an die weiteren Proportionen herangetraut."

Kitsch ist hier ebenso wenig angebracht wie Zynismus

Das Texten wiederum hatte der am 26. Dezember 1946 in Hannover geborene Stein parallel zum Studium gelernt. In Berlin arbeitete er als freier Journalist, Fotograf und Drehbuchautor für Radio-Comedy. Dann wechselte er das Fach. Ab Mitte der Siebziger erschienen seine Zeichnungen bereits in mehr als 100 Zeitschriften und Magazinen in ganz Europa. 1982 kam Koch dann mit seinen Postkarten. In den letzten Jahren widmete sich Stein verstärkt der Fotografie - unter anderem der von Hunden, was den "Herzenswunsch" weckte, Tieren Gutes zu tun. Resultat: die Uli-Stein-Stiftung für Tiere in Not.

Menschen mit Neigung zu Kitsch würden wohl sagen: Mit Tieren hatte es angefangen, nun wollte Stein ihnen etwas zurückgeben.

Aber Kitsch ist hier ebenso wenig angebracht wie Zynismus. Dann doch lieber noch mehr Tiere: Steins Kollege Ralph Ruthe postete auf Twitter eine Zeichnung. "Der Cartoonist Uli Stein ist verstorben" lautet die Bildunterschrift. Das Bild selbst zeigt den Tod - Kapuze, Sense, graubraune Gesamterscheinung. Vor ihm ein Pinguin. Der Pinguin hat ein bisschen Groll im Gesicht und ein Transparent in der Hand. Auf dem Transparent steht: "Dagegen!"

© SZ/olkl
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Vom Ehe-Wahnsinn über Autos bis zu Handwerkern: Uli Stein hat sich mit seinem Cartoonistenhumor schon über alle erdenklichen Themen hergemacht. Mit knollennasigen Figuren, Katzen, Hunden und vor allem seiner Maus wurde er zu einem der erfolgreichsten Zeichner Deutschlands. Am zweiten Weihnachtsfeiertag wird er 65 Jahre alt, was ganz gut passt: In der Adventszeit hat er besonders viele Ideen.

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