Entfernung russischer Denkmäler:Der Umsturz

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Entfernung russischer Denkmäler: Der Kopf des russischen Arbeiters liegt am Boden, der Rest des 1982 errichteten Denkmals der russisch-ukrainischen Freundschaft in Kiew folgte wenig später.

Der Kopf des russischen Arbeiters liegt am Boden, der Rest des 1982 errichteten Denkmals der russisch-ukrainischen Freundschaft in Kiew folgte wenig später.

(Foto: Sergei Chuzavkov/dpa)

In der Ukraine werden russische Denkmale abgerissen und Tolstoi-Straßen umbenannt.

Von Jörg Häntzschel

Die Freundschaft zwischen der Ukraine und Russland ist schon länger zerbrochen, nun wurde auch ein bedeutendes Denkmal, das die Völkerfreundschaft mit viel Pathos feierte, abgerissen: Am Dienstagabend zerlegten Arbeiter in Kiew auf Anweisung des Bürgermeisters Vitali Klitschko die gewaltigen Bronzeskulpturen eines russischen und eines ukrainischen Arbeiters, die seit 1982 die Verbundenheit der ehemaligen Bruderländer symbolisierten. Als der Kopf des russischen Arbeiters zu Boden krachte - unbeabsichtigt, wie es hieß -, brach unter mehreren Hundert Zuschauern Applaus aus.

Auch ein zweiter Teil des Denkmals, eine Figurengruppe aus Granit, wird entfernt. Bleiben soll nur der Titan-Regenbogen, der das Ensemble überspannt. Er wird umgewidmet in den "Bogen für die Freiheit des ukrainisches Volkes".

Sogar der 86-jährige Kiewer Architekt Serhij Myrhorodskyj, der das Denkmal vor 40 Jahren geschaffen hat, war glücklich über dessen Zerstörung, berichtet der Guardian. "Es ist das einzig Richtige. Es gibt keine Freundschaft mit Russland und es wird keine geben, solange Putin und seine Bande in dieser Welt sind."

Allein in Kiew sollen, so Klitschko, 60 weitere Gedenkstätten, die an Russland und die Sowjetunion erinnern, verschwinden, viele weitere an anderen Orten in der Ukraine. "Wir müssen den Feind und den russischen Besatzer aus unserem Land vertreiben."

Sollen auch die sowjetischen Panzer aus dem Berliner Tiergarten verschwinden?

Viele ukrainische Gemeinden sind außerdem dabei, Straßen umzubenennen, die an Russland erinnern. In Dnipro wird die Straße der 30. Irkutsk-Division ab sofort Straße der ukrainischen Soldaten heißen. In Kiew sollen 60 Straßen umbenannt werden, darunter auch der Leo-Tolstoi-Platz und die gleichnamige U-Bahn-Station. Im Dorf Fontanka bei Odessa entschieden sich die Verantwortlichen - etwas überstürzt vielleicht - , die Wladimir-Majakowski-Straße in Boris-Johnson-Straße umzubenennen, weil der britische Premier Tage zuvor Waffenlieferungen versprochen hatte.

In Deutschland wurden seit dem Beginn des Kriegs etliche sowjetische Gedenkstätten beschmiert, darunter das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park in Berlin, das seitdem unter Polizeischutz steht. Auch in Deutschland gibt es aber erste Forderungen, die Denkmäler abzubauen. So hat die Berliner CDU-Abgeordnete Stefanie Bung angeregt, die sowjetischen Panzer am Ehrenmal an der Straße des 17. Juni zu entfernen. Die Bundesrepublik hat sich im 1990 geschlossenen 2+4-Vertrag dazu verpflichtet, die Denkmale, die den sowjetischen Opfern des Kriegs gewidmet sind, zu achten und zu schützen.

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