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Überraschungsalbum "Beyoncé":Sorgfältig sinnlich

Strandtänze mit Jay Z, Erotik in Paris, Singen mit der einjährigen Tochter - auf ihrem Überraschungsalbum zeigt Beyoncé Knowles ihr Leben als feine Soap-Opera. Die Platte könnte zu einem der langlebigsten Epen der R'n'B-Geschichte werden.

Höfliche Software fragt vor der Installation, ob man genug Speicherplatz auf dem Rechner habe. Die Sängerin Beyoncé Knowles tut das nicht, also: besser noch einmal den Desktop-Papierkorb leeren und Urlaubsfotos löschen, bevor man sich "Beyoncé" herunterlädt. Diesen Datenbatzen von 1,1 Gigabyte, ein Paket mit 14 Song- und 18 Video-Files, das von Sony Music am Freitag ohne Ankündigung veröffentlicht wurde, vorerst exklusiv über den Apple-eigenen Laden iTunes.

Dass ausgerechnet Knowles der Star einer solchen Aktion sein würde, eine der erfolgreichsten Popkünstlerinnen der Welt, laut Time Magazine sogar unter den derzeit 100 einflussreichsten Menschen überhaupt - das ist nicht die Überraschung, im Gegenteil (denn wenige andere würden damit durchkommen). Das Beeindruckende ist vielmehr, mit welchem gigantischen Selbstbewusstsein sich dieses Album seinen Nutzern auf die Festplatte setzt.

Wie es mit seinem schieren Datenvolumen, mit dem Aufmerksamkeitsanspruch von 78 Videominuten alles andere weghebelt. Und das in einer Zeit, in der sich Musikstars mit ihren Produkten doch meistens so platzsparend und benutzerfreundlich wie möglich geben, um überhaupt noch die Chance zu haben, ein Plätzchen auf den Mobilgeräten ihrer Zielgruppe zu erhaschen.

Im Sommer veröffentlichte der Rapper Jay Z, Knowles' Ehemann, der auch auf ihrer neuen Platte mehrere Auftritte hat, sein neues Album vorab als schlanken Gratisdownload für die Kunden eines Telefonanbieters.

"Beyoncé" wird dagegen für 15 Euro als episches Home-Entertainment verkauft - die größte denkbare Vermarktungsdialektik. Der Zwischenhändler Apple, einer aus dem Kreis der Quasi-Monopolisten, profitiert aber auch diesmal. In den USA sollen am ersten Tag 430.000 Komplettpakete heruntergeladen worden sein, in 100 Ländern stehe Beyoncé derzeit auf Platz eins der iTunes-Charts.

Größte Inspiration

Sie könnte damit dauerhaft neue Freunde gewinnen. Denn während sich zum Beispiel Lady Gagas jüngstes Album nach monatelangem Wirbel als billig zusammengeschustertes Fan-Souvenir entpuppte, zeigt "Beyoncé" in Ton und Bild größte dramaturgische Sorgfalt, Inspiration. Vor allem eine in ihrer Liga ganz überraschende Sinnlichkeit.