Überlebenskurse für junge Künstler Der Druck bleibt

An der Berliner Universität der Künste geht man noch während der Ausbildung zu Werke. Hier bietet der ehemalige Galerist Joachim Becker seit 2008 eine Lehrveranstaltung unter dem Titel "Von der Akademie in den Kunstmarkt - das Berufsfeld des Künstlers" an. Der Kurs sei, so Becker, auf Anregung des damaligen Dekans Burkhard Held und Studierender zustande gekommen. Auch hier werden rechtliche Fragen erörtert, schwerpunktmäßig aber wird das Feld untersucht, in dem sich Künstler wiederfinden, öffentliche Institutionen und vor allem Galerien.

Dass so viele Künstler ökonomisch scheiterten, liege oft nicht an der Qualität ihrer Arbeit, sondern schlicht darin, dass sie nicht wüssten, wie sie sich im Betrieb aufstellen müssen, so Becker. Die Verführungen durch nicht immer seriöse kommerzielle Angebote seien groß, Schutz und Beratung dringend nötig: Pseudo-Galeristen, Pseudo-Sammler und Pseudo-Artotheken versuchten immer wieder, Werke von unerfahrenen Studenten zu Spottpreisen zu bekommen. Mittlerweile kämen Studierende sogar aus Stuttgart oder Wien in seinen Kurs.

Larissa Fassler, die 2009 bei Goldrausch teilnahm, sieht die frühe Ausrichtung auf den Markt mit Skepsis. Natürlich wolle man irgendwann von seiner Arbeit leben. Gerade Berlin mit seiner großen Galerienszene setze viele Absolventen aber unter zu großen Druck. Statt nach dem Studium konzentriert im Atelier zu arbeiten, versuchen sie, so schnell wie möglich eine Galerie zu finden. Für sie war der Kurs eine gute und hilfreiche Erfahrung, gerade in Hinblick auf die praktischen Dinge wie Selbstdarstellung, aber auch den Umgang mit der Galerie, mit der sie arbeitet.

Man kann den Kunstmarkt mögen oder ablehnen, ein anderes ökonomisches Modell scheint einfach nicht in Sicht. Insofern tut ein pragmatischer Umgang mit den Realitäten not. Dass dadurch aber ein kreativer Ruck durch die Künste gehen wird, darf bezweifelt werden. Natürlich sollten junge Kreative nicht unvorbereitet in die Welt und in den Kunstmarkt entlassen werden. Doch durch Grundkenntnisse seiner Spielregeln wird sich die nach wie vor prekäre Einkommenssituation vieler freier Künstler auch nicht bessern.

Man kann nur hoffen, dass ihnen auch diese unerfreuliche Erkenntnis vermittelt wird. Günther jedenfalls, die während des Studiums auch an Beckers Lehrveranstaltung teilgenommen hat, sieht der Zukunft deutlich entspannter entgegen. Ihr hätten die Kurse den Stress genommen, rasch eine Galerie zu finden. Ihre Eigeninitiative hat ihr erst einmal ein Stipendium in der Pariser Cité des Arts eingebracht.

Christos Installation "Big Air Package"

Aufgeblasene Kunst