Gisèle Pelicot wirkte angesichts des Unvorstellbaren, das ihr widerfahren war, würdevoll, gefasst. Da war eine riesige Wut auf die Männer, die sie vergewaltigt hatten, aber Pelicot musste dieser Wut nicht laut und wild Ausdruck verleihen, das taten andere für sie. Dass Collien Fernandes nun aber selbst laut und wütend ist, scheint einige Menschen – vornehmlich, aber nicht nur Männer – zu irritieren. So sehr, dass bei X schon gemunkelt wird, es handele sich um eine koordinierte Kampagne, um den Staat zu einer Klarnamenpflicht im Internet zu bewegen. Das erscheint den Raunern und Zweiflern naheliegender als wütende Frauen. Und wieder einmal zeigt sich: Es gibt ganz klare Vorstellungen, wie Frauen zu sein haben in dieser Gesellschaft. Als Ehefrau, als Berufstätige, als Mutter, als „Opfer“.
DebatteWas machste denn für’n Gesicht?
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Die Frauen grazil und freundlich, die Männer hart und konzentriert: In einigen Sportarten sind traditionelle Geschlechterrollen quasi Pflicht. Was das über eine gesellschaftliche Schieflage erzählt.
Essay von Marie Gundlach

Collien Fernandes und Christian Ulmen:Der Feind im eigenen Bett
In den sozialen Medien tauschen Frauen nach der „Spiegel“-Recherche zu den Vorwürfen von Collien Fernandes ihre Wut über die Geschlechterverhältnisse aus. Zur Bitterkeit und der Frage, wie aus ihr etwas erwachsen könnte.
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