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Uderzo zum 90. Geburtstag:Gallier von Format

Auch das ist Uderzo zu verdanken: Asterix' Flügelhelm gibt bereits die Stimmungen seines Trägers vor.

(Foto: Egmont)

Mit seinen Zeichnungen und seinem Hang zum Slapstick verhalf Uderzo der "Asterix"-Serie genauso zum Erfolg wie Texter René Goscinny. Nun wird der Zeichner 90.

Es waren zwei klägliche Männlein, die da 1959 in der neugegründeten Jugendzeitschrift Pilote das Licht der Comicwelt erblickten. Mit mattem Blick unter halb geschlossenen Lidern und einem dünn herabhängenden Schnurrbart betrat Asterix die Szene. Neben ihm ein dümmlicher Riese mit Schweinsäuglein und ohne richtige Schultern, dessen blau-weiße Hose wenig plastisch seinen nur leicht gewölbten Leib hinunterfließt.

Erfolgreiche Comichelden sehen anders aus. Aber es musste eben schnell gehen, als der Szenarist René Goscinny und der Zeichner Albert Uderzo die "Asterix"-Serie entwickelten. Eigentlich hatten die beiden an einer Reihe um Reineke Fuchs gearbeitet, einer Verbindung von Klassischem mit Modernem. Doch kurz vor der Veröffentlichung kam ihnen ein anderer Zeichner mit der Idee zuvor - ein neuer Einfall musste her. Lustig sollte es sein und französisch, amerikanische Superhelden gab es schon genug. So kamen Goscinny und Uderzo auf die Idee mit den Galliern - und verbanden auch hier Aktualität mit zeitlosem Witz und klassischem Bildungsgut. Der Rest ist Geschichte: 1961 erschienen die ersten Abenteuer als Album, in "Asterix der Gallier". Es folgen 35 weitere Alben und mehr als 370 Millionen verkaufte Bände. Als Goscinny 1977 überraschend starb, führte Uderzo die Reihe allein weiter.

Was die Gallier so erfolgreich macht, warum sie Achtjährige ebenso begeistern wie Altphilologen, lässt sich schon in den ersten Bänden der Reihe nachvollziehen. Bereits nach wenigen Seiten - die zunächst einzeln in der Zeitschrift Pilote erschienen, weshalb es am Anfang Cliffhanger am Ende jeder Seite gab -, haben sich die müden Männchen Asterix und Obelix in Gallier von Format verwandelt. Sie sind rundlicher und gleichzeitig dynamischer geworden: die Schnauzbärte kürzer und buschiger, der Bauch (von Obelix) dicker; Asterix' Flügelhelm gibt bereits keck die Stimmungen seines Trägers vor.

Gern wird der Erfolg der Serie vor allem dem genialen Texter Goscinny zugeschrieben. Aber Albert Uderzo, der an diesem Dienstag seinen 90. Geburtstag feiert, ist eben auch ein großer Zeichner, der Slapstick ebenso beherrscht wie den Umgang mit Sprechblasen und Typografie. Kolorierung war nie so sein Ding - kein Wunder, er ist von Geburt an farbenblind. Aber er ist ein großartiger Menschenzeichner - allein die Augen, die er seinen Figuren gibt, die Kinne oder diese Nasen! Seinen Galliern verlieh er bald nach den ersten stümperhaften Seiten die weichen, runden Formen, die Walt Disneys Figuren so populär machen, verband diese mit der Bewegungslust der belgischen École Marcinelle (mit Vertretern wie Jijé, André Franquin oder Morris). Dass Uderzo das alles draufhatte, hatte er schließlich schon vor Asterix bewiesen, etwa in der Indianer-Serie "Umpah-Pah" (ebenfalls mit Goscinny), in der viele den Prototypen von "Asterix" sehen.

Nach Goscinnys Tod machte Uderzo jahrzehntelang allein weiter, übergab erst nach langem Ringen an den Zeichner Didier Conrad und den Texter Jean-Yves Ferri. Deren erster Band "Asterix bei den Pikten" erschien 2013. Und knapp sechzig Jahre nach der Erstveröffentlichung ist Asterix so populär wie eh und je.

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