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TV: Two and a Half Men:Die drei Schweinchen

Ein Mann ist nicht nur die coole Sau, die er gern wäre, sondern leider auch die arme Sau, die er wirklich ist. Niemand erklärt das besser als Charlie Sheen in der Sitcom "Two and a Half Men".

Der Mann als solcher ist schizophren, so viel ist bekannt. Er ist in sich gespalten. Er ist die coole Sau, die er gern wäre, die arme Sau, die er wirklich ist, und das Ferkel, das er war und immer bleiben wird. Nur in sehr seltenen Fällen sind die drei identisch. Wer sehen will, wie sich die drei Seiten des Mannes jeden Tag gegenseitig belauern, muss nur den Fernseher einschalten.

Eine Männer-WG wie aus dem Bilderbuch: Alan, der ungelenke Bruder, sein pubertierender Sohn Jake und Werbejingle-Komponist und Hausbesitzer Charlie.

(Foto: Foto: Warner Bros. Entertainment)

Es gibt eine Serie, ein kleines Kunstwerk, das die männliche Schizophrenie ganz zauberhaft in Bilder bringt: "Two and a Half Men" heißt sie; eine der vielen Sitcoms, die den Zuschauer mit Einspielgelächter und billiger Studiokulisse eigentlich zunächst abschrecken. Doch diese Serie ist anders. Lustig. Lässig. Gut gespielt. Vor allem ist sie politisch inkorrekter und rotziger als alles, was das Genre sonst bietet. Seit kurzem zeigt Pro Sieben die fünfte und sechste Staffel "Two and a Half Men" nach einer völlig unberechtigten Sendepause wieder zur Hauptsendezeit, dienstags um 21:15 Uhr. Die Quoten: deutlich über Senderschnitt.

Im Mittelpunkt stehen drei Männer: Der wohlhabende Werbejingle-Komponist Charlie (Charlie Sheen), sein ungelenker und geschiedener Bruder Alan (Jon Cryer) und dessen pubertierender Sohn Jake (Angus Jones). Also die coole Sau, die arme Sau und das kleine Ferkelchen. Alle drei wohnen in Charlies Strandhaus und reden von morgens bis abends über: Frauen. Also Sex. Begleitet werden sie, meist vorwurfsvoll, von der brummigen Haushälterin Berta (grandios: Conchata Ferrell), einer dominanten Mutter, Alans neurotischer Ex-Frau, Charlies verrückter Stalkerin Rose und seinen vielen Affären. Die Figuren sind Prototypen, oft gesehen. Der Unterschied ist, dass ein Chauvi wie Charlie (der nicht umsonst so heißt wie der Schauspieler, der ihn darstellt) hier mal nicht nur als komplett doofer Dinosaurier inszeniert wird.

Eine Szene im Supermarkt. Charlie trifft, wie so oft, eine Verflossene. "Du miese Schweinebacke!", ruft sie: "Ich hab dir mein Herz geschenkt, ich hab dir meine Seele geschenkt und meinen Körper. Und du hast mich weggeworfen als wäre ich ein dreckiger Putzlumpen." Antwort: "Ja, ich war böse ... Und, was gibt's Neues?" Ein andermal redet er (betrunken) mit einer Möwe auf der Veranda: "Hey Kumpel. Nur wir zwei heute Nacht, huh?" Die Möwe schreit. "Ja, ich weiß, wie's dir geht. Es gibt viele Fische im Meer. Aber wenn du sie gefressen hast: was dann?"

Darauf einen Drink

Neben seinem mal federleichten, mal wummernden Machismo ist es dann vor allem Charlies Umgang mit dem Suchtmittel Alkohol, der auffällt. Bedenkt man, dass "Two and a Half Men" eine amerikanische Serie ist, dann ist das ein echter Kulturbruch. Charlie trinkt Bier und Whiskey, schon zum Frühstück. Es gibt kaum eine Szene, in der er keinen Drink in der Hand hält, und was er über Alkohol sagt, ist Lyrik vom Rande des Abgrunds. Etwa als er trinkt, um wieder eine Frau zu vergessen: "Er (der Alkohol) tanzt wie ein Kügelchen auf der Schuld herum - und rollt wieder runter."

Die Hausbar, die oft ins Bild kommt, ist keine dieser Angeberbars mit Zierfläschchen und Kristallgläsern. Charlies Pullen stehen einfach in der Küche rum, und keine ist mehr als halbvoll. Verantwortungslos? Ja. Aber wer, wenn nicht Charlie Sheen, der etliche Entziehungskuren und eine Ehe mit Denise Richards hinter sich hat, steht glaubwürdiger für so eine Rolle?

Die Entdeckung dieser von Chuck Lorre ("Dharma & Greg", "The Big Bang Theory") entwickelten Serie ist allerdings gar nicht mal der überaus souveräne Charlie Sheen. Es ist Charlies Bruder Alan, gespielt von Jon Cryer. Das Timing und die hibbelige Physis dieser Figur lohnen schon das Einschalten. Dreimal war Cryer für einen Emmy als bester Nebendarsteller in einer Comedyserie nominiert, dieses Jahr hat er ihn endlich bekommen. Insgesamt war "Two and a Half Men" seit dem US-Start im Jahr 2003 mehr als 30 Mal in verschiedenen Kategorien für den wichtigsten Fernsehpreis der Welt nominiert. In den USA läuft zurzeit die siebte Staffel auf CBS, die achte und neunte sind in Planung. Darauf einen Drink. Oder besser drei, für jedes Schweinchen einen.

"Two and a Half Men", Pro Sieben, dienstags, 21:15 Uhr; Kabel 1, montags bis freitags, 12:15 Uhr und 16:35 Uhr.

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