TV-Kritik: "Schmidt und Pocher" Noch lachen wir

Als "Geburtstagsgeschenk" für Oliver Pocher war diesmal ein Gast geladen, natürlich weiblich, dessen Handhabung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht ganz einfach ist. Berühmt geworden ist Lady Bitch Ray, angekündigt als Professorin, Modedesignerin, Schauspielerin, Rapperin und Moderatorin, durch besonders unverblümte Anwendungen der Fäkal- und Gossensprache.

Lady "Bitch" Ray

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So jemand lässt sich natürlich auch hier nicht lumpen, kommt im extra für die Sendung geschneiderten Porno-Häschen-Kostüm mit ausgeschnittenem Herz am Po und einem Arsenal an schmutzigen Sprüchen auf den Lippen.

"Sie sind der Gast von Oliver!", kann Schmidt gerade noch hilflos klarstellen, und schon legt die Lady mit dem unbeirrbaren Willen zur Provokation los, immer dann nicht reproduzierbare Vokabeln loszulassen, wenn sie eigentlich gerade intellektuell abschweifen würde. Bei der türkischstämmigen Germanistin handelt es sich nämlich tatsächlich um eine Gelehrte, die an einer Doktorarbeit über die Semiotik der Kleidung schreibt - und sie wird immer dann obszön, wenn sie merkt, dass das Publikum ihr entgleitet, wenn sie sich geistig zu weit von der Masse entfernt. Und das passiert oft.

Schwupps, ist sie wieder da: "Die Frauen müssen lernen, offen zu ihrer Fotze zu stehen." "Willkommen im Ersten Deutschen Fernsehen!", kann Schmidt nur noch prusten - und da ist nun plötzlich Pocher zur Stelle.

Geschickt lenkt er ein, plaudert mit der selbsternannten "Dr. Fotze" über deren Lieblingsangelegenheiten, bis sie sich in Rage schreit: "Hure! Schlampe!" Sarah Connor nennt sie so, weil diese kein Vorbild für die Nation sein könne - das solle man besser ihr selbst überlassen, und ihrem "Vagina-Style", für den sich nicht nur Türkinnen in Deutschland begeistern würden ("Die lieben mich, ich bin die Tussi Deluxe"), sondern auch immer mehr deutsche Frauen.

Angesprochen auf Charlotte Roche und deren "Feuchtgebiete", wendet sie sich von dieser Art "Öko-Tussi"-Feminismus ab: "Ich bin eher für Ästhetik."

Davon mag man nun halten, was man will - doch eines muss man dieser Sendung lassen: Pocher war hier zum ersten Mal für irgendetwas gut. Ohne Pocher wäre Schmidt mit diesem Gast aufgeschmissen gewesen. Auf dem untersten Niveau ist es eben der Junior, der sich auskennt. Ohne ihn wäre diese Sendung richtig peinlich geworden.

Nur zum Schluss reißt Harald Schmidt das Ruder noch mal herum: Lady Bitch Ray, die mit bürgerlichem Namen Reyhan Sahin heißt, überreicht Schmidt zum Abschied ein Paar Dirty-Harry-Shorts - und Pocher eine Kapsel mit angeblichem sonntäglichen "Fotzensekret". Da ist es nun an Pocher, verlegen zu sein und zu stammeln.

Singen darf die Rap-Lady dann auch nicht mehr, den Schlussakkord besorgt eine gefälligere Dame im braven Seidenkleid. Die mag nicht so richtig lustig finden, wie Pocher sie nach ihrem Auftritt Bohlen-mäßig abfertigen will - und da hat Schmidt sich wieder gefangen: "Das ist natürlich sehr schlecht für so 'ne kleine miese Type, der so klein ist mit Hut, wenn er das erste Mal Fotzensekret überreicht bekommt und dann so uncharmant einen Gast abfertigt. Oliver Pocher - nächstes Mal hat er's begriffen!"

Und schon ist die alte Ordnung wiederhergestellt. Wäre ja auch gelacht, wenn der Pocher dem Schmidt noch die Show stehlen würde. Noch lachen wir.

Schluss mit Porno!

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