TV-Kritik: "Mission Hollywood" Babelsberger Besetzungscouch

Als würde die Türkei ein EU-Mitglied casten: Til Schweiger sichtet Hollywood-Nachwuchs bei RTL - und fordert Orgasmus, Striptease und Lesbenkuss.

Von Katharina Riehl

Was stört, ist dieser Tisch. Der Tisch, an dem diese drei Männer sitzen, die doch ganz offensichtlich Gespräche führen, wie sie am ehesten in einem feucht-warmen Dampfbad vermutet werden könnten: Es geht um Til Schweigers Vorlieben in Bezug auf Bikinifiguren, um Heiner Lauterbachs Erfahrungen mit der Länge von Orgasmen und dem Anfassen von Frauen bei Dreharbeiten.

Eine dieser Nachwuchskräfte will Til Schweiger (Mitte) ganz groß rausbringen.

(Foto: Foto: RTL)

Wozu also der Tisch? Ah, richtig, zwischen all diesen erotischen Erwägungen soll ja auch noch ein neuer Star gecastet werden. Nein, kein Model - auch wenn die angelegten Auswahlkriterien ("Ich find dich süß, dein Kleid gefällt mir, du fährst nach Amerika!") nicht sonderlich anders zu sein scheinen. Ist ja auch egal: Der Weg zum Ziel ist hart, die Gelegenheit ist einmalig und nur eine kann Germany's n... - pardon! - Filmstar werden: Til Schweiger verspricht, eine der zwölf Kandidatinnen nach Hollywood zu bringen - der Preis ist eine nicht näher definierte Rolle in der Fortsetzung des Kino-Hits "Twilight".

Und da taucht schon die nächste Frage auf: Til Schweiger ist ohne Zweifel einer der gefragtesten deutschen Schauspieler und auch als Produzent erfolgreich. Der große Durchbruch in Hollywood ist aber trotz ein paar Produktionen ausgeblieben. Warum also Mission Hollywood? Warum nicht Mission Babelsberg? Es ist ein bisschen so, als würde die Türkei ein neues EU-Mitglied casten.

Hollywood also. Til hat sich ein paar Aufgaben einfallen lassen, mit denen die Mädchen (ja, die heißen hier auch so) ihre Eignung für diese große Aufgabe unter Beweis stellen können: einen Orgasmus vortäuschen, strippen, eine andere Frau küssen. Was man eben so braucht in Hollywood. Und "es warten auch andere körperliche Herausforderungen", verspricht Til. Das glaubt man gerne.

Vernuschelte Lebensweisheiten

Doch bevor es dazu kommt, werden erst mal ein paar Psychospielchen gespielt - wäre doch gelacht, wenn nicht in der ersten halben Stunde jemand weinen würde. Als Mann fürs Grobe hat Til Schweiger den Schauspiel-Coach Bernard Hiller an seiner Seite. Der erklärt Margarita, sie sei leider ein Opfer-Typ, Julia fehlt angeblich die Feminität. Also, geht doch.

Schweiger selbst schaut sehr viel weniger streng als die Klum: Offenbar hat er dann doch keine Lust, als böser Wolf in die Fernsehgeschichte einzugehen, der zusammen mit der gestrengen Heidi den weiblichen deutschen Nachwuchs in seine zartgliedrigen Einzelteile zerlegt hat. Dafür hat er ein paar vernuschelte Lebensweisheiten ("Persönlichkeit kommt von innen!") für seine Mädchen parat und wünscht sich, dass sie etwas von ihm lernen.

Und dann wird gestöhnt, gestrippt, geküsst. Die weichgezeichnete Optik der albernen Vorspiel-Szenen erinnern dabei weniger an einen Kino-Blockbuster als an ein RTL-Comedy-Format: Man wartet nur darauf, dass den küssenden "Lesben" eine Taube auf den Kopf macht. Lustig auch, wie Schweiger seinen Kandidatinnen die zu übenden Filmszenen erklärt: Bei Meg Ryans vorgetäuschtem Orgasmus sei besonders wichtig herauszuarbeiten, dass sie ihr Gegenüber total toll finde. Blöd nur, dass Sally ihren Harry an dieser Stelle des Filmes noch gar nicht ausstehen kann. Vielleicht hätte der selbst ernannte Schauspiellehrer sich dann doch die Mühe machen sollen, die Filme vorher nochmal anzuschauen.

Und da ist es wieder, das Dampfbad-Gefühl: Gast-Juror Lauterbach und Schweiger hängen lässig in ihren Sesseln, Lauterbach fordert hie und da eine Kandidatin auf, doch bitteschön an ihrer vernachlässigten Erotik zu arbeiten.

Wird sonst angeblich nach Gesangs-, Tanz- oder Laufstegtalent gecastet, ist man hier zumindest ehrlich: Gewinnen kann nur, wer sich am überzeugendsten als Sex-Objekt verkauft. Schweiger lässt von der Besetzungscouch, quatsch, vom Besetzungstisch wissen, da habe auf seiner Erotik-Skala "schon was ausgeschlagen". Und man wird den Eindruck nicht los, dass die "Mission Hollywood" damit eigentlich schon erfüllt ist.

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