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TV-Kritik: "Gräfin gesucht":"Die kann man blond machen"

Fräulein Habsucht meets Sugardaddy: Wenn sich erwachsene Frauen angeblichen Grafen an den Hals werfen - eine kleine Nachtkritik.

Die Not der Bauern kann man ja verstehen: Zwischen Schweinestall, Ferien auf dem eigenen Bauernhof und chronischer Arbeitsüberlastung lässt sich eben nur mühsam die Traumfrau kennenlernen. "Bauer sucht Frau" war nicht nur Quoten-Rampensau bei RTL, sondern auch nützliches Instrument für eine Berufsgruppe, die es naturgemäß schwer hat mit der Damenwelt.

Der Adel auf Brautschau: Moritz, Benedikt, Constantin und Michael (v.l.n.r.).

(Foto: Foto: dpa)

Wie aber lässt es sich verstehen, wenn nun der Adel zwischen Stehempfängen, Luxusgefährten und Urlaub auf Sylt keinen Deut besser mit dem weiblichen Geschlecht zurechtkommt? Was sind das für blaublütige Junggesellen, die überdies beim Privatfernsehen anklopfen, um auf Brautschau zu gehen?

Gottseidank nimmt sich ein weiterer Privatsender, nämlich Sat1, seit Sonntagabend der Adelswelt an: "Gräfin gesucht" ist die neueste Casting-Reality-Doku-Kuppel-Sendung, die den Zuschauern ans Herz gehen soll. Wie haben wir also dieses Format zu verstehen?

Entscheidung beim Duschen

Als Ansammlung von Peinlichkeiten à la "Schwiegertochter gesucht", auf demselben Parkett wie "Tatjana & Foffi - Aschenputtel wird Prinzessin", aufbauend auf den Erfolg von "Bauer sucht Frau"? Oder als Resterampe für verkappte Starlets, die nicht über die erste Runde von "Deutschland sucht den Superstar" hinausgekommen sind, aber trotzdem irgendwo im Fernsehen ihre breiten Vorzüge zur Schau stellen möchten? Oder ist dies tatsächlich das "Herzblatt" der "Elite"?

Wie werden sehen: von allem etwas. Fangen wir an mit Moritz.

Moritz, wie sich der 38-jährige Graf aus Gettorf, das liegt bei Eckernförde, leger rufen lässt, stammt zwar aus dem Norden, trägt aber trotzdem gern Jankerl. Dass er sich also für sein erstes Date eine Münchnerin im Dirndl aussucht, die so blond und blauäugig ist wie er, erscheint als notwendige Schlussfolgerung aus dem vorangegangenen Speed-Dating mit weiteren blonden Bewerberinnen. Die Entscheidung hat er übrigens "beim Duschen" getroffen.

Zwischen Verona Pooth und Kader Loth

Zwar hatte er vorher großspurig versichert, er wolle auf jede Kandidatin beruhigend einwirken - als aber dann die erste hübsche blonde Bankangestellte Anett vor ihm steht und ihm obendrauf noch ziemlich tough versichert, sein rechtes Auge sei kleiner als das linke, das mache aber nichts, ist es an ihm, schwer zu schlucken. Da scheint ihm die schüchterne Bundeswehrärztin Anke, die auch reitet, gelegener zu kommen. Prompt lädt er die Bewerberin aus dem Süden zu einem Date auf seinen Landsitz ein - nicht aber, ohne sich ein Hintertürchen offenzulassen.

Eine zweite Kandidatin, die um des Grafen Gunst buhlt, soll eine Chance erhalten, und diesmal ist es eine Dunkelhaarige, was dann doch verblüfft. Allerdings ist Moritz nicht der Einzige, der auf die aufreizenden Fotos des Bonner Models Anna anspringt - schließlich hat sich die 25-Jährige bei allen vier zur Auswahl stehenden "Grafen", wobei übrigens nur einer von Ihnen den Adelstitel im Namen trägt, beworben.

Sie dreht den Spieß dann auch gleich um: "Eigentlich will ich es sein, die auswählt." Und prompt hat Sat1 eine neue Mischung aus Verona Pooth und Kader Loth kreiert, die offenbar gleichzeitig in höheren Kreisen gut ankommt. Denn ohne es zu wissen, werden alle vier "Grafen" nähere Bekanntschaft mit der Dame machen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, wie der Adelsverband die Sendung sieht.