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TV-Kritik: Burda in der ARD:Die Entdeckung des Abends

Viel lustiger wurde der Abend ohnehin nicht mehr, was auch am neuen Moderatorenduo lag, das Harald Schmidt nach drei Jahren abgelöst hatte. Die hölzernen Ansagetexte der Eiskunstläuferin Katarina Witt wurden noch schlimmer, da sie erkennbar vom Teleprompter abgelesen wurden. Ab und zu war auch ein Mann ohne Eigenschaften namens Tom Bartels im Bild, der es von RTL zur ARD geschafft hat, Burdas Haussender.

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So musste man sich den Abend selbst schöngucken, wobei etwa auffiel, dass Jessica Schwarz (als beste Schauspielerin ausgezeichnet), Simone Thomalla und Barbara Schöneberger ihre Haare wie Marge Simpson im Vertikalstil toupiert hatten, und mal wieder nur Medien-Superstars anwesend waren: Plasberg, Markwort, Döpfner, ja sogar Kai Diekmann von der taz war gekommen.

Eine Stimme, die wach macht

Die Entdeckung des Abends war Guttenberg-Gattin Stephanie, die den von der "Nachrichtenlage" verhinderten Verteidigungsminister vertrat. "Baron" Karl-Theodor zu Guttenberg muss gerade die Kundus-Affäre meistern, da mussten sogar die goldenen Rehlein warten. Man solle sich ihn in ihrem roten Abendkleid vorstellen, sagte sie und besang die großen Verdienste des Uli Hoeneß. Frau zu Guttenberg hat eine Stimme, die wach macht, fast ein wenig nervös, so dass sie noch viele verschlafene Galas beleben könnte.

Schon als Kind habe er stets die Bambi-Verleihung angeschaut, sagte Roland Emmerich. Damals hätten so Leute wie Uschi Glas den Preis erhalten. Der Mann trifft nicht nur das Weiße Haus mit dem ersten Schuss, denn Glas saß auch diesmal im Saal - wieder oder immer noch, wer weiß das schon genau.

Fernsehen aus der Vergangenheit

Denn beim Galawesen handelt es sich um eine medial-moderne Form des Untotseins. Iris Berben, Maria Furtwängler, die Klitschkos, man sieht dort immer dieselben Gesichter. 20 Jahre Mauerfall war das Motto, doch diese Bambi-Gala war auch Fernsehen aus der Vergangenheit, unterhaltungsfrei, beliebig, inspiriert wie eine Dauerwerbesendung aus dem Shopping-Kanal.

Warum gibt die ARD fast drei Stunden Primetime dafür her? Weil sie die Preisträger dann in den eigenen Nachrichten nennen kann? Hätte sie am Donnerstag eine Wiederholung der Bambis 1999 gesendet, niemand hätte es gemerkt.

Da bekommen mal Shakira oder Giorgio Armani ein Reh, und Minuten später gibt's eins für Wolfgang Joop, überreicht von Töchterlein Jette. Warum? Ist doch logisch: weil er in Potsdam wohnt! Und 65 ist er auch geworden!

Heesters fehlte unentschuldigt

Bambi-Reife besteht darin, noch irgendwie im Geschäft, in jüngster Zeit aber nicht besonders auffällig in Erscheinung getreten zu sein. Nur Johannes Heesters fehlte unentschuldigt, dabei hatte Bunte-Mutter Riekel doch versprochen, Jopie jährlich einen Überlebensbambi zu überreichen. Hier ist das Déjà-vu Programm geworden.

Da der Burda-Verlag anscheinend nicht weiß, wo er mit dem Bambi hin will, blieb es an Comedian Michael Mittermeier, den Wert des so zahmen wie unscheinbaren Preises als Anker in unsicheren Zeiten und ideales Haustier auf den Begriff zu bringen: "Das Bambi frisst nicht, es kackt nicht in die Wohnung und man muss es nicht kastrieren lassen."