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TV-Kritik: Beckmann:Was wir noch nie über Sex wissen wollten

Westernhagen berichtet von seiner Tochter im Playboy, Isabella Rossellini dreht Tierpornos und Dr. Ruth rät zum Stundenhotel. Eine Nachtkritik.

Von Ruth Schneeberger

Irgendjemand muss der ARD gesteckt haben, dass es da neuerdings einen ganz heißen Trend gibt: sex sells. Also krallt sich das Öffentlich-Rechtliche auf der Stelle seinen brutalstmöglichen Investigativjournalisten, um das heiße Eisen umgehend televisionär anzupacken. Um das Thema Fortpflanzung möglichst schonend und gleichzeitig aufklärerisch an die Bevölkerung heranzutragen, lädt Reinhold Beckmann einschlägige Gäste zum nächtlichen Plausch, die allesamt ganz besondere Erfahrungen auf diesem Spezialgebiet zu vermelden haben.

Mit Isabella Rossellini, Inka Bause und Dr. Ruth Westheimer sollen "drei Frauen die wundersame Welt der Liebe erklären", so Beckmanns Einführung - und außerdem sitzt da noch Marius Müller-Westernhagen mit am Tisch, der kurz vor seinem 61. Geburtstag seine neue Platte verkaufen will ("Zu lang allein"). Da der Mann, wie es sich gehört, als erster und am längsten zu Wort kommt, hier ein Auszug aus seiner aufrührerischen Rede.

"Wir sollten erst mal klarstellen: Ich bin ja keine Frau", so Westernhagen, der mit dem Schocker "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" und dem Einheits-Brüller "Freiheit" einst Stadien füllte. Das Schöne an der Sache sei, dass inzwischen drei Generationen von Frauen für ihn schwärmen würden, und die ganz jungen Mädchen in der ersten Reihe bei Konzerten schon jünger seien als seine Tochter.

Dies ist das Stichwort für Stichwortgeber Beckmann: Was der Vater gefühlt habe, als seine Kleine im Playboy zu sehen war, will der einfühlsame Talker sanft bohrend erfahren. Nun, sie sei wirklich talentiert, befindet "MMW", und sie habe diese starke Energie, die für eine Künstlerin vonnöten sei, aber dieses ganze Theater um die Aufmerksamkeit, das habe er selbst nie nötig gehabt. Vielmehr dränge sich ihm der Eindruck auf, heutzutage müssten die jungen Leute erst berühmt werden und dann etwas leisten - zu seiner Zeit sei das noch umgekehrt gewesen.

Weshalb er höchstselbst, wenn Mitmenschen ihn auf seine "erfolgreiche" Tochter ansprächen, erwidern würde: "Erfolgreich womit?"

Kritische Töne schlägt der Sänger - der auch schon Schauspieler gewesen ist, aber vor einem Comeback als Mime zurückschreckt, weil die deutsche Öffentlichkeit eher Interesse an einem Scheitern habe - auch gegenüber Mitmenschen an, die nicht zum engsten Kreis der Familie gehören: Guido Westerwelle etwa könne er sich nur schwerlich als Außenminister vorstellen. Zu einem solchen Amt gehöre nun mal eine "gewisse Lässigkeit", die der FDP-Politiker bisher vermissen lasse, befindet der Sänger, der einst Gerhard Schröders Wahlkampf unterstützte. "Das ist das Einzige, worum ich mir Sorgen mache", sagt er, wobei er mit "das" die neue Regierung meint.

Bevor es nun aber zu wenig körperlich wird im Nachtprogramm der ARD, werden schnell zwei Damen hinzugezogen: Isabella Rossellini war mal das bestbezahlte Model der Welt und hat nun ein Alterswerk vorgelegt, das auf einer Kooperation mit dem ebenfalls nicht mehr ganz taufrischen Robert Redford basiert. Er als Produzent, sie als Regisseurin und zugleich Hauptdarstellerin - die beiden haben eine Serie von "Green Pornos" vorgelegt, die Tiere beim Sex zeigen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, welche Tipps Sexualtherapeutin Dr. Ruth auf Lager hat.

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