TV-Eklat um Eva Herman:Ins Abseits gelabert

Weil "ihre Tätigkeit nicht länger vereinbar mit ihrer Rolle als Fernsehmoderatorin und Talk-Gastgeberin'' sei, hat sie daraufhin vorigen Monat die Quatsch-Stelle als Moderatorin verloren. Hat sie nun, wie Kritiker meinen, die Familienpolitik der Nazis verharmlost? Nun ist es zumindest für die Geschichtsforschung und auch sonst völlig nebbich, was Frau Herman über die Nazis sagt. Sie legt Wert darauf, mit Rechtsextremisten nichts zu tun haben: "Wie konnte das passieren, warum habt ihr nichts unternommen?'' will sie ihre Oma mal gefragt haben.

Gut. Schön. Bei Kerner saß also nicht Eva Braun, sondern Eva H., die beim Denken leicht oszilliert, weil sie mit der Sprache und mit den Gedanken nicht ganz im Reinen ist. Sie rutscht dann aus und sieht dabei seltsam traurig, selbstgerecht aus. Dass Kerners Redaktion als eine Art Schiedsrichter den NS-Experten Wolf Wippermann bemüht hatte, wirkte angesichts des Elends von Frau H. übertrieben.

Kerner baute Brücken

Dass sie nun nach den Abwatschereien der vergangenen Wochen bei Kerner auftrat und gleich erklärte, sie habe "keinen Fehler'' gemacht, sondern die Presse habe falsch informiert, zeigt, dass sie mit einer vital erlittenen Kränkung nicht ordentlich umzugehen weiß. Ein Hinweis wie: "Ich habe da am 6. September ein bisschen wirr geredet; kann passieren, aber tut mir leid," hätte noch eine Nachfrage des Moderators nach sich gezogen. Danach wäre Kerner vermutlich erleichtert zu Kindertagesstätten und zu Frau von der Leyen übergegangen.

Aber in dem Versuch, die Selbstachtung zu bewahren, verrannte sie sich, wurde mit Zitaten des Nazi-Ideologen Alfred Rosenberg konfrontiert, geriet aus der Fassung. Sie verwies auf die Menschen da draußen, die sie verstünden - ganz anders jedenfalls als das "Medien-Establishment''. Sie sprach von der "gleichgeschalteten Presse'' und sah sehr angegriffen und auch müde aus. Kerner baute ihr Brücken, die sie ignorierte.

Was da lief, wirkte wie eine Inszenierung: Eine Medienfrau spielte das Stück allein gegen alle - das kommt sonst beim Publikum gut an. Normalerweise wird das Opfer nachher geherzt und bedauert. Aber diesmal? Wie kann jemand, der so ahnungslos ist, sich so viele Jahre als Moderatorin durchgeschlagen haben?

Der Moderator, der gelegentlich durch eine nur noch bei Kellnern außerhalb Bayerns übliche Servilität auffällt, mühte sich, hart nachzufragen. Auch ist die Verwertungskette Kerner/Boulevard (Bild) für jeden brandgefährlich.

Klage auf Fortbestand des Arbeitsverhältnisses

Es ging um Nichts, aber das mit großer Wichtigkeit. Als Senta Berger, die über ihren Samstagskrimi reden wollte, damit drohte, zu gehen, komplimentierte der Moderator Frau Herman hinaus. Frau H. hatte sich ins Abseits gelabert und wurde ins Abseits getrieben: "Ich muss lernen, dass man über den Verlauf der Geschichte nicht reden kann, ohne in Gefahr zu geraten'', hat sie auch noch gesagt. Der Schriftsteller Foucault hat den Begriff Wahnsinn einmal auf die Formel vom ´"Fehlen einer Arbeit'' gebracht. Niemand könne leben, ohne tätig zu sein und ohne das Bewusstsein vom Sinn dieser seiner Tätigkeit.

Am Dienstagnachmittag traf beim NDR eine Klage des Herman-Anwalts auf Fortbestand des Arbeitsverhältnisses ein, das eher ein Beschäftigungsverhältnis war. Eines Tages solle auch die Höhe des bislang unbestimmten Schadens festgelegt werden, der durch die Auflösung des Moderatorinnen-Vertrages und durch eine "Medienkampagne'' entstanden sei.

Der Schaden für die Runde war beachtlich: Frau Berger konnte nicht ordentlich über ihren Krimi reden, Frau Schreinemakers fehlte am Ende das Gezicke mit Frau H., der Komiker war nur komisch. Selbst Kerner klagte nach der Sendung über Kopfschmerzen. Aber die Quote war bombig: Über 18 Prozent, mehr als das Doppelte, was Frau Maischberger holte.

© SZ vom 11.10.2007
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