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TV: "Die Bombe" mit Claus Kleber:Der Super-Kleber

Was passiert, wenn Schurkenstaaten Atombomben bekommen? Im ZDF-Dreiteiler "Die Bombe" berichtet Claus Kleber, der wichtigste deutsche Weltendeuter.

Hans Leyendecker

Da ist das Bild vom großen Reporter, der mit einem Mikrofon in der Hand einen Spritzer den Kongostrom hinuntermacht. Er deutet die Welt, während ein paar Schwarze den Einbaum auf dem Fluss vorantreiben. Rotchinesen in Afrika, die gelbe Gefahr oder so ähnlich war das Thema, irgendwann in den sechziger Jahren: "Chinesen haben wir keine gesehen am Kongo", näselte der Fernsehmann. Es war Peter Scholl-Latour, der umtriebigste Reisende des deutschen Fernsehzeitalters, und der Zuschauer, der das Bild nie vergessen hat, war der kleine Claus Kleber. "Da könntest du auch mal stehen", hat er damals gedacht.

"Guten Abend" - Journalist Claus Kleber (l.) lässt sich vom stellvertretenden Kommandanten des russischen Luftwaffenstützpunktes Engels, Dmitrij Kostjunin, die Reichweite der Atombombenflotte erläutern.

(Foto: Foto: dpa)

Jetzt sitzt der 53-Jährige in einem Glaskasten auf dem Lerchenberg zu Mainz und kann aus seinem an der Ecke des Flurs gelegenen Büro beobachten, wie draußen sechs Kollegen wuseln. Das "heute-journal" am Montagabend dieser Woche ist dann - von den Themen her betrachtet - ein bisschen wie der Kongo, also sehr durchwachsen, und was passiert, war vorhersehbar: das Finale des Kita-Streiks, das doppelte Pech Ulla Schmidts in einem sehr holprigen Stück und die CIA, die unbedingt wissen will, wer welches Geld an wen überweist.

Kleber gibt sich Mühe, das alles interessant zu finden. Er steht schief auf halb acht in dem neuen Nachrichtenstudio, in dem langweilige Beiträge auch nicht spannender rüberkommen, und sagt: "Guten Abend." Das mögen die Zuschauer und besonders die Zuschauerinnen.

Bevor es aber mit dem "heute-journal" losging, wurde im ZDF die dreiteilige Dokumentation angekündigt, die Kleber und seine amerikanische Kollegin Angela Andersen viele Monate beschäftigt hat: "Die Bombe". "Wenn das so weitergeht, werden wir einen Iran mit Atomwaffen haben. Dann wird es immer schwieriger werden, die Verbreitung von Atomwaffen zu kontrollieren", sagt in der ersten Folge der frühere amerikanische Außenminister Henry Kissinger, der in Deutschland mehr Ansehen genießt als in den USA. Kleber: Iran wird den Dammbruch bedeuten? Kissinger: "Ja, Iran könnte der Tropfen sein, der alles zum Überlaufen bringt".

Mohammed el-Baradei, der Noch-Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA), rechnet vor, dass die Welt zwanzig Jahre nach der Implosion des Ostblocks immer noch von 27 000 nuklearen Sprengköpfen bedroht ist und dass sich neun Staaten "voll und ganz auf nukleare Waffen stützen".

Saif Gaddafi, Sohn des libyschen Staatschefs Muammar el-Gaddafi, tut dicke. Er behauptet, es wäre seine "Initiative" gewesen, dass Libyen das Atombombenprogramm und die sonstigen Programme zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen beendet habe. Fachleute bezweifeln, dass Libyen in der Lage gewesen wäre, jemals so etwas Ähnliches wie eine Bombe zu bauen.

Was passiert, wenn Schurkenstaaten die Bombe bekommen, was ist mit der schmutzigen Bombe, was mit den Islamisten, Israel, Südafrika, Pakistan, Indien und vor allem mit Iran und den vielen Märtyrern? Von den Reportern Andersen und Kleber kann man sagen: Sie suchten das Weite, um fündig zu werden.

Lesen Sie auf Seite 2, warum blaue Augen zum Erfolg führen.

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