TV: "Der Popolski Show":Das Lamm, der Wolf, der Popolski Show

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Alles sollte möglichst roh und unverfälscht aussehen, damit man es zumindest für einen Moment wirklich für das Werk osteuropäischer Hackerbanden halten könnte. "Den Grunge Effekt" nennt Hagemann das in Anspielung auf einen berühmten Musikstil.

Dazu gehörte auch, dass in der dritten Folge plötzlich der Generator schlapp macht und die Sendeleistung herunter gefahren werden muss. Im Gegenzug werden die Zuschauer aufgefordert, ihren Fernseher bis zum Anschlag lauter zu drehen, um noch etwas verstehen zu können.

Wer je erlebt hat, wie tapfer WDR-Techniker für einmal gesetzte Standards kämpfen, kann ermessen, wie weh das getan haben muss, den Pegel mutwillig abzusenken, nur um ihn dann überraschender Weise am Schluss wieder voll hochzufahren. Das sorgte für einige Hallos.

Ideen genug

Nicht alle waren begeistert von der Show. Die Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff soll es grässlich gefunden haben, was im WDR-Flurfunk aber inzwischen durchaus als Bestätigung der außergewöhnlichen Qualität gewertet wird.

In der Tat vereint Der Popolski Show, die aufgrund begeisterter Mailanfragen an den drei kommenden Sonntagen nach "Zimmer frei" wiederholt wird, vieles von dem, was man früher am WDR zu schätzen wusste.

Beleg dafür ist auch eine wackelige schwarz-weiß-Szene, in der zu sehen ist, wie auf dem Polen-Markt von Köln Nippes ein windiger Typ Kassetten von einem noch windigeren Typen kauft.

Man meint so etwas wie "Makschendrahtzzaun" und "Watzki Hatzki Dudzi Dadzki" zu hören. Zu sehen ist dann Stefan Raab, der echte, der sich offensichtlich das Rohmaterial für seine späteren Hits "Maschendrahtzaun" und "Wadde hadde dudde da" sichert. Als Freund von Hagemann hat er es sich nicht nehmen lassen, den Spaß zu unterstützen.

Ob es nun mit "Der Popolski Show" weiter geht, hängt von den kommenden Quoten ab. Beim ersten Mal waren sie dank fehlender Ankündigung eher bescheiden ausgefallen und unter Senderschnitt geblieben.

Gerne würde Hagemann über eine Fortsetzung reden. Ideen hätte er genug. Die allerdings haben ihren Preis. "Es ist nicht so billig, wie es aussieht", sagt er. Viele Szenen wurden mehrfach gedreht. "Das ist manchmal schon mehr Film als Fernsehen."

70 Live-Auftritte pro Jahr

Ob der WDR Sinn und Qualität der subversiven polnischen Musikbande erkennt und neue Episoden ermöglicht? Hagemann könnte sich im Fall der Fälle auch einen anderen Sender als Produzenten vorstellen.

Angewiesen ist der 43-Jährige nicht auf Fernsehpräsenz. Gerade hat er wieder mit Hape Kerkeling an dessen Horst-Schlämmer-Lied ("Gisela) gearbeitet und schreibt mit an der Musik zu Kerkelings Fernsehfilm "Ein Mann, ein Fjord" (ZDF). Außerdem ist Der Popolski Show ja auch eine Live-Show. Rund 70 Auftritte absolviert die Band in wechselnder Besetzung pro Jahr und erfreut sich zunehmender Beliebtheit.

Lästig ist nur der angeklebte Schnauzbart. Um den zu fixieren, hat Hagemann immer eine Tube Kleber in der Tasche. Die braucht er, wenn sich der Bart mittendrin löst. Dann muss er nachschmieren, moderieren und trommeln zugleich. Auch etwas, dass beim WDR früher sehr viele konnten.HANS HOFF

Der Popolski Show, dreimal sonntags beginnend am 24.8., 23.45 Uhr, WDR

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