TV: "Der Popolski Show":Das Lamm, der Wolf, der Popolski Show

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Wo sich Stefan Raab seine Ideen holt: "Der Popolski Show" ist ein Beleg für Unterhaltungskunst im deutschen Fernsehen - man muss sie nur finden.

Hans Hoff

Es gab mal eine Zeit, da galt die WDR-Unterhaltung als Brutstätte ungehemmter Kreativität, wilder Experimente und stilbildender Wagnisse. Das ist vorbei. Heute finden sich solche Urteile über die Kölner Anstalt nur noch in archäologischen Abhandlungen, die von der TV-Steinzeit handeln, von Sendungen wie Bios Bahnhof, der Off-Show oder Schmidteinander.

TV: "Der Popolski Show": Der Schnauzbart ist falsch und auch sonst ist nichts echt: Achim Hagemann (vorne) mit seinen Familienangehörigen, den Popolskis aus Zabrze.

Der Schnauzbart ist falsch und auch sonst ist nichts echt: Achim Hagemann (vorne) mit seinen Familienangehörigen, den Popolskis aus Zabrze.

(Foto: Foto: WDR)

Alles Geschichte. Dieser Tage wird brav das Programm zugemüllt mit biederer Standardware, die man problemlos direkt nach Sendeschluss vergessen kann. Doch wie alle generalistischen Einschätzungen krankt auch diese an der rühmlichen Ausnahme, die es kürzlich tatsächlich gab. Allerdings so gut versteckt, dass keiner auf den Gedanken kommen konnte, da sei irgendetwas geplant.

Es geschah an Ostern. Da rauschte es plötzlich mehrfach im Spätprogramm des WDR-Fernsehens, das Bild verkrisselte eigenartig, und auf einmal saßen da in farbentsättigter Schrankwand-Atmosphäre verhärmte Pullunder-Menschen, deren deutsche Ansagen so klangen wie man das von illegalen osteuropäischen Fliesenlegern zu kennen glaubt.

Man habe sich von einer polnischen Plattenbausiedlung aus ins WDR-Programm gehackt und wolle nun mal etwas klarstellen, behauptete der Schnauzbärtigste von allen.

Ein bisschen sich selbst unterwandert

Er stellte sich als Pawel Popolski vor und räumte auf mit der Legende, dass alle gute Popmusik aus England, Amerika oder Deutschland kommt. In Wahrheit seien vielmehr alle großen Pop-Hits vom Großvater Popolski geschrieben worden, dann aber in die Hände eines skrupellosen Gebrauchtwarenhändlers gefallen, der sie an kopierwillige Weststars verscherbelte.

In den Fernsehzeitschriften fand sich kein Hinweis auf eine Sendung dieser Art, und nur wer genau hinschaute, erkannte, dass sich der WDR da mit Hilfe eines nicht ganz unbekannten Künstlers ein bisschen selbst unterwandert hatte.

Hinter der Schnauzbart-Maske des Pawel Popolski steckte: Achim Hagemann. Den muss man nicht kennen, es sei denn, man interessiert sich für gehobene Unterhaltung, weil Hagemann vor anderthalb Jahrzehnten bei "Total normal" der damals aufstrebenden Komiker Hape Kerkeling am Piano begleitet hatte und für skurrile Knaller wie "Das ganze Leben ist ein Quiz" und "Hurz" mitverantwortlich zeichnete.

"Ich betrachte das als großen Glücksfall in meinem Leben", sagt Hagemann heute, denn die Zusammenarbeit mit Kerkeling eröffnete dem studierten Musiker (Schlagzeug und Klavier) ein großes Tor ins Reich der komödiantischen Art. "Damals sei das Comedyfeld noch völlig offen" gewesen. Es gab noch keine Mario Barths, keine Paul Panzers, keine Cindys aus Marzahn. Comedy hatte durchaus noch was mit Kunst zu tun.

Nach der Zeit mit Kerkeling etablierte sich Hagemann als erfolgreicher Produzent von Filmmusik, vertonte Serien wie "Der kleine Vampir", "Anke" oder Kinofilme wie "Rennschwein Rudi Rüssel".

Irgendwann wurde es ihm am Mischpult zu einsam, und es machte sich in ihm die Idee breit, mit einer Band große Hits der Popgeschichte in gänzlich neuer Form zu präsentieren.

Polnischer Robin Hood

Tony Marschalls "Schöne Maid" als Soulschmelzer oder Dieter Bohlens "Cheri Cheri Lady" im Stile der Red Hot Chili Peppers. Weil ihm das einfache Herunterspielen aber zu öde erschien, ersann Hagemann irgendwann die Idee mit dem polnischen Großvater, dem man die Hits geklaut und sie dann westlich verhunzt hatte. Er trete nun an mit dem Anspruch, diese berühmten Nummern in ihrer Originalversion zu präsentieren, behauptete er dreist. "Der Popolski Show" war geboren.

Eine Weile tourte Hagemann mit seiner wilden Musikertruppe durch die Lande, spielte Abend für Abend den polnischen Robin Hood und eroberte mit konsequenter Auslassung aller Artikel außer "der" und dem angeblichen Sprichwort "Dieter Bohlen hat gestohlen alle Hits aus Polen" eine erkleckliche Fanschar. Irgendwann wurde eine wackere WDR-Redakteurin auf ihn aufmerksam und beschloss, ihn im Sender unterzubringen - ohne ihn zu verbiegen.

Das erste Anliegen ließ sich noch vergleichsweise leicht bewerkstelligen, mit dem zweiten war das so eine Sache. "Der WDR musste ständig Neuland betreten", berichtet Hagemann von den leicht chaotischen Dreharbeiten.

Aus seinem Düsseldorfer Studio wurde das winzige Popolski-Wohnzimmer im polnischen Zabrze, wo zwischen Wodka-Flaschen, geschmackloser Biedermann-Einrichtung und notdürftiger technischer Ausstattung die Musik spielen sollte.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, wie tapfer WDR-Techniker die Ideen Hagemanns umsetzten.

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