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Türkische Chronik (VII):"Ich antwortete: 'Ja, mein Kommandant!'"

In einer Mail, die er an den Energieminister und dessen Bruder schickte, der Chef der Tageszeitung Sabah aus dem Konkurrenzunternehmen von Doğan ist, berichtet Yalçındağ ausführlich über ein Treffen mit Aydin Doğan. Er erzählt, dieser habe sich darüber beklagt, dass kritische Kolumnisten weiterhin für Hürriyet schreiben. Er erklärt, er plane, den Chefredakteur durch einen anderen zu ersetzen, der so regierungstreu wie möglich sei. Er bat nur noch um etwas Geduld.

In anderen Mails geht er noch tiefer in die Details. Er bezeichnet einige Doğan-Redakteure als "Feinde" und erklärt, wie sehr er mit dem Herausgeber und Chefredakteur von Hürriyet kämpfen musste, um zu verhindern, dass der Chef der Hürriyet-Büros in Ankara, Deniz Zeyrek, nicht im zur Doğan-Gruppe gehörenden Sender CNNTürk auftrat.

Yalçındağ schreibt an Erdoğans Berater und Serhat Albayrak, um ihm zu sagen, wie unglücklich er war, dass Premierminister Yıldırım Zeyrek ein Interview gegeben habe. Und er fährt fort: "Aber heute morgen lud unser Energieminister Deniz nicht zu seinem Pressegespräch ein. Super!" In einer anderen Mail schreibt Yalçındağ, wie toll es sich anfühle, so eng mit dem Präsidenten und dem Energieminister zu sein.

Und da ist noch mehr, aus der Zeit nach dem Putschversuch. Yalçındağ berichtet Erdoğans Berater von einem Besuch bei dem hohen General Yaşar Güler:

"General Yaşar sagte, wenn Aydin (Doğan) mir nicht diesen Job gegeben hätte, gäbe es die Doğan-Gruppe wahrscheinlich nicht mehr. 'Sie haben die Firma gerettet. Wir alle sollten streng über unsere nationale Einigkeit wachen. Ich hoffe, sie setzen das in Zukunft fort', sagte er. Und ich antwortete: Ja, mein Kommandant!"

"Mein Computer wurde irgendwie gehackt"

Am 18. August, einen Monat nach dem Putschversuch, schreibt Yalçındağ an den Minister und spricht davon, wie sehr er sich über einen Anruf des Präsidenten gefreut habe. "Ich rief unseren geschätzten Präsidenten an und übermittelte ihm meine besten Wünsche. Ich sprach ihn als ,Oberkommandierenden' an. Das mochte er sehr. Er entgegnete, da unsere Verfassung das vorsehe, könne ich das ruhig sagen. Wir lachten."

Bis zu diesem Donnerstag hat sich weder das Büro von Minister Albayrak noch der Präsident zu den Leaks geäußert. Yalçındağ behauptet, die Mails seien nicht von ihm. "Ich habe diese Mails nicht geschickt", sagt er. "Mein Computer wurde irgendwie gehackt."

Die Ironie liegt darin - auch das belegen die geleakten Mails -, dass es sich um dieselbe Person handelt, dessen Firma dem türkischen Militär ein System gegen Cyber-Angriffe verkaufen will.

Natürlich fand sich in den Zeitungen und Sendern der Doğan-Gruppe am Mittwoch kein Wort zu dieser Geschichte. Auch nicht in den anderen Medien, die den Mogulen gehören, die sich mit Erdoğan so gut arrangiert haben. Nur die unabhängige Zeitung Cumhuriyet machte mit der Geschichte auf der Titelseite auf.

Für die wenigen unabhängigen Redakteure und Reporter, die es in der Türkei noch gibt, waren die Leaks nicht überraschend. Die Doğan-Gruppe sucht seit Langem die Nähe zu den Machthabern. Im Jahr 2001 feuerte ihr Besitzer eine Gruppe von Kolumnisten, die sich gegen ein Gesetz ausgesprochen hatten, das den Medienmogulen den Löwenanteil der Branche sicherte. 2004 ging er so weit, den Ombudsmann der Zeitung Milliyet zu entlassen. Und als die AKP ihre Machtbasis weiter ausbaute, musste ein bekannter Journalist nach dem anderen gehen.

© SZ vom 30.09.2016

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