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"Tucker" auf DVD:Amerikanischer Traum

Amerikanischer Unternehmergeist: Der junge Jeff Bridges träumt vom Erfolg als Automobilhersteller.

(Foto: Pidax)

Ein halbvergessenes Werk von Francis Ford Coppola und George Lucas: "Tucker" erzählt hinreißend vom uramerikanischen Unternehmergeist.

Von Fritz Göttler

Das Panzerfahrzeug, das er im Krieg entwickelte, konnte die Armee nicht brauchen, weil es viel zu schnell war. Man kennt das irre Tempo, in dem es durch die Gegend wieselt, von den "Looney Tunes", den verrückten Zeichentrickfilmen, mit ihren Helden Bugs Bunny oder Daffy Duck, die in der Vorkriegs- und Kriegszeit dem amerikanischen Traum einen neuen Drive gaben. Aus diesem Geist ist der Film "Tucker" entstanden.

Er ist ein Loblied auf den amerikanischen Helden, ein Eigenlob, denn in Tucker sahen sie sich 1988 selber gespiegelt, der Filmemacher Francis Coppola und dessen Produzent George Lucas. Der Film kam gerade auf DVD wieder raus und wirkt, da überall nur Stillstand ist, frischer denn je.

Der junge Unternehmer Preston Tucker, hinreißend verkörpert von Jeff Bridges, will gleich nach Kriegsende das Auto der Zukunft bauen, mit Heckmotor, Scheibenbremsen, Sitzgurten. Und einem dynamischen Styling und metallischen Farben. Ganz im Sinne des New Deal, ein Start-up-Unternehmen. Die großen Autofirmen tun natürlich alles, um ihn auszubremsen, und die Politik spielt fleißig mit, an der Spitze der Senator Ferguson, verkörpert von Lloyd Bridges, dem Vater von Jeff. Er hat auch den Oberträumer im Visier, Howard Hughes, der einen kleinen Auftritt hat.

Ursprünglich war "Tucker" als Musical geplant gewesen

In Ypsilanti, Michigan, hat Tucker seinen Firmensitz, sein Familienhaus, wo entwickelt und gebastelt wird im Familienkreis, in der Küche und in der Scheune daneben. Coppola, der selbst eins der wenigen gebauten Tucker-Automobile besitzt, wollte schon 1973 diesen Film machen, er hatte die Studiogroßproduktionen satt, wollte lieber experimentieren, mit den neuen elektronischen Bildern in seinem neuen Studio Zoetrope, wie er das in "One from the Heart" probiert hatte. Marlon Brando hat er damals für die Rolle des Tucker angefragt.

"Tucker" ist ein Familienfilm, der sich eben nicht ins Innere zurückzieht. Die amerikanische Familie ist grell und aufdringlich, sie stellt sich ungeniert zur Schau. PR ist ein wichtiger Teil des Business. Jeff Bridges ist jung und dynamisch, seiner selbst unverschämt sicher, toll, wie er sich ein paar im Eifer des Gefechts in die Stirn fallende Haarsträhnen wegstreicht. Seiner Frau, der ebenso hinreißenden Joan Allen, kann er da natürlich nichts vormachen: "Don't give me that crooked smile you stole from Clark Gable ..." Tucker macht Fließbandproduktion quasi in Handarbeit, wie es dem Kapitalismus der Traumfabrik entspricht. Weil "Tucker" ursprünglich als Musical gedacht war, lud Coppola damals, 1976, die erfolgreichen Songschreiber Betty Comden und Adolph Green ("Singin' in the Rain") zum Arbeiten auf sein Landgut ein, und Leonard Bernstein für die Musik.

Die Politik macht schließlich Tucker fertig, die Börsenaufsicht zerrt ihn vor Gericht, er hätte den Anlegern Geld aus den Taschen gelockt und nie die Absicht gehabt, wirklich Autos zu bauen. Zum Gegenbeweis fahren die fünfzig hergestellten Tuckers vor dem Gerichtsgebäude vor. Tucker hält, als wären wir in einem Capra-Film, das große Plädoyer auf Amerikas unabhängigen Unternehmer, aufs free enterprise. Wenn wir das nicht bewahren, erklärt er, werden wir eines Tages unsere Radios und Automobile bei unseren ehemaligen Feinden kaufen. Das ist der Spirit, den dann auch Trump beschwor, und den er so blöde pervertierte. Tucker stachelt die Geschworenen auf, sie sollen ihre Bank verlassen und zum Fenster stürmen, die Automobile selbst in Augenschein nehmen. Er gewinnt den Prozess, aber seine Firma ist kaputt. Das Lächeln von Clark Gable, sagt seine Frau, "ich habe oft gesehen, wie du es übtest, wenn du dachtest, ich würde nicht hingucken".

Tucker ist auf DVD und Bluray erschienen bei Pidax.

© SZ/freu
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