Architektur Das Büro lbgo wäre viel zu klein für den Mauerbau, aber das Image hat schon gelitten

Das ist glaubhaft, denn abgesehen von der Facebook-Aktion sprechen die grundsätzlich friedlichen Entwürfe des Büros für Dorfstrukturverdichtungen, Kitas oder Jugendzentren eine Sprache, die in offenen Gesellschaften verstanden wird. Die Architekten, die sich im Büro von Stefan Behnisch kennengelernt haben, dem Sohn des Olympia-1972-Architekten Günter Behnisch, einem der Erfinder der "demokratischen Architektur", fühlen sich "humanistischen Idealen verpflichtet". Außerdem, erzählt Christian Goldbach, hätten sie die amerikanischen Wettbewerbsvorgaben (etwa den Jahresumsatz als Planerbüro) gar nicht erfüllen können, da sie vergleichsweise zu klein als Büro sind. Das sei ja von vorneherein klar gewesen.

Die Kunstaktion hat sich in ziemlich kurzer Zeit in ihr Gegenteil verkehrt

Gar nicht mehr so klar ist aber jetzt das Image des Büros. Goldbach erzählt von Bauherren, die "nun nicht mehr so richtig wissen, was sie von uns halten sollen". Und der Sohn müsse sich in der Waldorfschule schief angucken lassen. Na ja, klar, "als Sohn eines potenziellen Trump-Handlangers . . . " Zum Lachen ist dem Architekten aber nun auch nicht zumute, denn der "Imageschaden ist groß". Die Kunstaktion hat sich in ziemlich kurzer Zeit in ihr Gegenteil verkehrt. Wie so oft, wenn es um Satire geht.

Das wirft allerdings auch die Frage auf, ob man sich als Architekt schon grundsätzlich verdächtig macht, wenn man für politisch umstrittene Bauherren plant und baut. Der berühmte amerikanische Architekt Philip Johnson, der vor zwölf Jahren fast hundertjährig gestorben ist, gestand einmal angesichts dieses Dilemmas: "Ich bin eine Hure" - denn "ich bin ein Künstler". Als Architekt würde er sogar Hitler und Stalin als Bauherren akzeptieren, ja auch "für den Teufel persönlich" würde Johnson bauen wollen. Corbusier sah das übrigens ähnlich: Der diente sich einst dem Dritten Reich als Architekt an.

Die Baugeschichte ist reich an Architekturen für das Böse unter der Sonne. Wann immer deutsche Architekturbüros mit internationaler Reputation, wie etwa Gerkan, Marg und Partner oder das von Albert Speer junior für demokratiefreie Zonen tätig sind, flammt die Diskussion um die Bau-Ethik neu auf. Zu lösen ist sie nur in je persönlicher Weise. Es mag ja in architektonischer Hinsicht gar nicht ehrenrührig sein, wollte man eine Mauer auch als ästhetische Herausforderung begreifen. Wenn man sich aber aus politischer Überzeugung so bewusst wie radikal gegen dieses Vorhaben wendet, dann möchte man nicht gern dastehen als jemand, der danach giert, Trumps Mauer bauen zu dürfen.

Das Münchner Büro lbgo wird noch viele ambitioniert geplante Schulen, Kindertagesstätten oder Mehrgenerationenhäuser bauen. Trumps Wall-Wahnsinn gehört mit Sicherheit nicht dazu. "Eine Haltung zu haben", sagt Christian Goldbach, "ist für einen Architekten wichtig." Eine Haltung ist allerdings auch ein seltenes Bauwerk. Schön, wenn man diesem mal begegnet.

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