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Trumps Chefstratege:Bannon meint zu wissen, wie es um die USA bestellt ist: sehr schlecht

Das einzige Originalmaterial, das Bannon in "The Undefeated", im sehr apokalyptischen "Generation Zero" oder in "Clinton Cash" über die finanziellen Verstrickungen der Clinton-Stiftung benutzt, sind Interview-Sequenzen: meistens weiße Männer in schlecht sitzenden Anzügen, die mit unterdrückter Wut vom Niedergang Amerikas sprechen und keine Scheu haben, die Schuldigen zu benennen. Ansonsten: nur Archivmaterial. Aus Nachrichten, wenn man Glück hat. Meist aber schlicht Agenturvideos, die das Gesagte noch einmal in Bildern erzählen. Hinterzimmer-Politik wird illustriert mit Zigarre rauchenden Männern in einem holzgetäfelten Raum. Die Verschwendung des "big government" mit Dollarscheinen, die in der Toilette verschwinden. Den Kindern wird ihre Zukunft geraubt: Da sieht man ein Kind, dem eine Träne die weiche Wange hinabläuft.

Das ist die erste Erkenntnis, die man aus diesen Dokumentationen mitnimmt. Bannon will nicht ernsthaft ergründen, wie es um die USA bestellt ist. Er weiß es schon: sehr schlecht. Und weil er das weiß, will er auch nur die davon überzeugen, die ohnehin schon überzeugt sind. Der typische Zirkelschluss populistischer Agitation.

Was zurück zum zähnefletschen Haifisch führt, zum Gewitter und dem Roulette-Rad - also zu "Generation Zero", Bannons Dokumentarfilm über die kulturellen Entwicklungen Amerikas, die seiner Ansicht nach zur Finanzkrise von 2008 geführt haben. Die konservative Organisation "Citizens United" hat ihn finanziert. 2010 hat die Gruppe in einem Aufsehen erregenden Prozess vor dem Supreme Court eine extreme Lockerung der Regeln für die Wahlkampffinanzierung durchgesetzt.

Woodstock und Fünfzigerjahre-Mütter sind schuld am Niedergang der USA

Bannons düstere Weltsicht wird in diesem Film am deutlichsten und er führt all das zusammen, was man wohl als Bannons "Stil" als Filmemacher bezeichnen muss: Bilder, die illustrieren, statt zu belegen, dunkel-dräuende Musik und ständige Wiederholung der wichtigsten Kernaussagen. Die These des Films: Nicht der unregulierte Finanzmarkt war schuld am großen Zusammenbruch von 2008, sondern der Niedergang der amerikanischen Kultur.

Ein Niedergang, den Bannon zu den Hippies und Jugendbewegungen der Sechzigerjahre zurückführt. Ja, richtig gehört, Woodstock ist schuld. Die Konzentration auf sich selbst und die Priorisierung der eigenen Bedürfnisse vor allem anderen habe schließlich die maßlose Gier der Banker möglich gemacht. Wer genau hinhört, findet in Bannons Film hinter den Hippies aber noch den eigentlichen Sündenfall. Es ist die allzu stark liebende, allzu behütende Mutter der Fünfzigerjahre. In einer mehrfach verwendeten Archivszene ist sie zu sehen, mit Schürze und mehreren Eisbechern in der Hand, die sie ihren Kleinen hinreicht. So traumatisiert seien diese Frauen vom Zweiten Weltkrieg gewesen, dass sie ihren Kindern eine besonders glückliche Kindheit bereiten wollten. Und was geschah? Sie zogen eine verhätschelte Generation groß, die nur an sich selbst denkt und schließlich aus Hedonismus mit allen guten amerikanischen Werten und Traditionen bricht. Schnitt zu jungen Frauen in engen Siebzigerjahre-Kleidern, die "ihre Sexualität ausstellen". Schnitt zu Miley Cyrus.

Die nächste Krise wird die gegenwärtige Ordnung einreißen

Bannon kombiniert das, aber auch die Bürgerrechtsbewegung als unrechtmäßiges Aufbegehren gegen den Staat, zu einem kruden Dekadenzzusammenhang. Der folgt laut einer Geschichtstheorie, der Bannon anhängt, auf die Blütezeit, die wiederum auf eine Krise folgt. Dieser Vorstellung zufolge bewegt sich Geschichte in Kreisläufen, die sich etwa alle 80 Jahre wiederholen. "Generation Zero" macht auf bedrohliche Weise deutlich, wo Bannon die USA momentan sieht: kurz vor der nächsten Krise. Und die, auch daran besteht für ihn kein Zweifel, wird die gegenwärtige Ordnung einreißen, um etwas Neues beginnen zu lassen. Der Winter werde kommen, heißt es gegen Ende des Films, es klingt wie eine Zeile aus "Game of Thrones". Die Bilder, die Bannon für die neue Zeit nach dem ganz großen Zusammenbruch findet, sind vage: Jugendliche - immerhin mit unterschiedlicher Hautfarbe - die inbrünstig den Fahneneid schwören. Junge Soldaten, die optimistisch in die Ferne blicken. Die amerikanische Flagge.

Zu wenig also, um Bannons Utopie von einem amerikanischen Neubeginn inhaltlich zu verstehen. Aber genug, um Angst zu bekommen. "In fünf bis zehn Jahren werden wir einen Krieg im Südchinesischen Meer führen", hat Stephen Bannon in einem Interview vorhergesagt. Es klang nicht, als ob er das verhindern wolle.

© SZ.de/biaz/liv
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