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Trump Town (VII):Warum manche New Yorker arabische Taxifahrer umgehen

Taxi, New York

Hinterm Steuer von Taxis ist der Anteil von Muslimen in New York überproportional hoch.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Unser Korrespondent bestellt im Zweifel lieber einen lateinamerikanischen Taxi-Dienst. Mit Rassismus hat das aber nichts zu tun.

Das FBI hat einen Mann festgenommen, der für den sogenannten Islamischen Staat einen Anschlag auf dem Times Square geplant haben soll: Nizza-style, mit einem Lkw in die Menschenmenge. Der Mann heißt Mohamed Rafik Naji, stammt aus Jemen und arbeitet als Uber-Fahrer in Brooklyn. Für die Trumpianer da draußen im Twitterland sind die ersten beiden Fakten maßgeblich ("Guess his name: Steve? Mike? Jacob? Nope", schreibt etwa Joe Walsh, ehemaliger Kongressabgeordneter aus Illinois.)

Für New Yorker sind eher die Wörter Brooklyn und Uber bezeichnend. In einem Lagerhaus auf der Atlantic Avenue befindet sich bis heute die Farooq-Moschee, wo der blinde Scheich gebetet hat, der hinter dem ersten Anschlag auf das World Trade Center steckte, und nach dem zweiten, dem von 2001, geriet die Lagerhausmoschee wieder ins Visier der Ermittler, weil von hier aus Geld direkt an al-Qaida geflossen war.

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Little Arabia auf der Atlantic Avenue ist ansonsten auf ein paar schlecht besuchte Halal-Imbisse und Korangeschäfte zusammengentrifiziert worden, aber die sind immer noch der bekannteste und sichtbarste Teil des islamischen New York. Muslime machen hier nur zwei Prozent der Bevölkerung aus, und das ist schon doppelt so viel wie im Rest des Landes.

Während des Opferfestes ist es schwierig, ein Taxi zu bekommen

Das heißt aber nicht, dass Muslime nicht trotzdem das Bild in den Straßen prägen würden, denn hinterm Steuer von Taxis ist ihr Anteil wiederum überproportional hoch, was sich an Tagen wie dem Opferfest dadurch bemerkbar macht, dass man kaum eines kriegt.

Deswegen und weil für den Taxischein in New York neuerdings nicht einmal mehr Englischkenntnisse nötig sind, ruft der Kulturkorrespondent im Zweifel lieber einen lateinamerikanischen Taxi-Dienst an, denn sein Spanisch ist immerhin ein bisschen besser als sein Arabisch und Bengalisch, und er unterhält sich nun mal gern. Einem ehernen Gesetz des Journalismus zufolge ist es allerdings verboten, Taxifahrer zu zitieren. Das mag daran liegen, dass die oft Dinge sagen, die nicht zu der Geschichte passen, die man im Sinn hat.

Zum Beispiel wurde der Korrespondent mal von einer Frau aus El Salvador gefahren, der im Bürgerkrieg sämtliche Angehörigen erschossen worden waren. Korrespondent, wissend: "Klar, von den Todesschwadronen!" Fahrerin: "No, señor, von den Kommunisten."

Gibt es auch liberale Islamophobie?

Dieser Tage war es Andrés aus Ecuador, der vom Steuer her einwarf, man glaube gar nicht, wie viele Leute einen spanischsprachigen Fahrer bestellten, obwohl sie gar kein Spanisch verstehen, die täten das nur, um keinen aus dem Nahen oder Mittleren Osten abzukriegen. Keine "solidaridad" zwischen den beiden Hauptfeindbildern in Trumps Amerika?

"Hombre", sprach Andrés: Personenbeförderung sei Einwandererarbeit, und zwar keine mit viel Zukunft. Die Umsätze sänken, und der Wechsel zum Datensammel-Fahrdienst Uber sei auch nur noch so lange eine Option, bis sie dort von den fahrerlosen Dingern überflüssig gemacht werden, auf die wir uns in der Zukunft, wie es heißt, freuen sollen. Die seien frustriert, die Kollegen, auch bisschen dünnhäutig vielleicht, und mancher, tja, rette sich dann wohl aus beruflicher Erfolglosigkeit in den Dschihad.

Aber was haben denn all die klugen, aufgeklärten, Trump-verachtenden New Yorker gegen Fahrer aus Nah- und Mittelost, Andrés? Fühlen sich die Feministinnen aus Park Slope paternalisiert? Gibt es auch liberale Islamophobie? Andrés drehte sich um, denn auf dem Brooklyn-Queens-Expressway bewegte sich ohnehin nix mehr: Ich glaube, sagte er ernst, es liegt vor allem daran, dass echt viele von denen rauchen.

Für eine runde Geschichte sind Taxifahrer, wie gesagt, leider nicht zu gebrauchen.

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