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Trickfilm "Trolls World Tour":Schöpfe, Zöpfe, Mähnen, Strähnen

Film

Bekannt geworden sind die dänischen Spielzeugkobolde im Zuge der Flower-Power-Bewegung.

(Foto: Photo Credit: DreamWorks Animation)

Der Musik-Animationsfilm "Trolls World Tour" macht viel Krach, unter anderem mit "Daft Punk".

Von Josef Grübl

Ein kleines Rätsel für Freunde opulenter Haarkreationen: Gesucht wird nach einem kulturellen Großereignis, das auf Hair Extensions setzt, auf billiges Kunsthaar also, so grell und üppig wie nur irgendwie möglich.

Da sagen die einen: Klar, das ist die Perückensammlung von Lady Gaga. Das kann nur der Biennale-Pavillon der isländischen Künstlerin Hrafnhildur Arnardóttir sein, behaupten die anderen. Stimmt beides, kommt aber trotzdem nicht an die Haardominanz der Trolls heran. Gegen deren Schöpfe und Zöpfe, ihre Mähnen und Strähnen wirkt selbst ein gutsortiertes Zweithaarstudio seltsam kahl.

Bekannt geworden sind die dänischen Spielzeugkobolde im Zuge der Flower-Power-Bewegung im Sechzigerjahre-Amerika, nach einem Revival in den Neunzigern gerieten sie etwas in Vergessenheit. Dann aber entdeckte Hollywood ihr Marktpotenzial neu, im Jahr 2016 eroberte das Dreamworks-Animationsabenteuer "Trolls" die Kinos und Kinderzimmer dieser Welt, der Titelsong von Justin Timberlake ("Can't Stop the Feeling") wurde sogar für den Oscar nominiert. Das Sequel "Trolls World Tour" startet jetzt mit dem Track "One More Time" von Daft Punk - "noch einmal" singen Technotrolls in der deutschen Fassung dazu, "die Party geht jetzt richtig ab". Ein DJ-Troll heizt die Meute weiter an: "Ich will euch hüpfen sehen!"

Könnte der musikalische Showdown ein Ersatz für den "Eurovision Song Contest" sein?

Das dürfte der schulbefreiten Zuschauermeute zu Hause gefallen: Wenn sie nur oft genug "noch einmal" plärren, könnte der Film ein Hit werden.

Regisseur Walt Dohrn setzt auf Vertrautes, er erzählt die Geschichte des Trollmädchens Poppy weiter, ihr Begleiter Branch ist nach wie vor heimlich verliebt in sie. Statt mit miesepetrigen Bergen, die im ersten Teil die Trolle fressen wollten, bekommen sie es jetzt mit ihresgleichen zu tun: Denn neben den Poptrolls und ihrer Vorliebe für MC Hammer und die Spice Girls gibt es noch trollige Vertreter der Musikrichtungen Techno, Funk, Country, Klassik und Rock. Da Andersartigkeit - und hier insbesondere divergierender Musikgeschmack - aber nicht nur in der Menschenwelt Vorurteile auslöst, gibt es in der heilen Trollwelt bald Krieg.

Die Figuren und Konflikte kommen so stromlinienförmig daher, als wären sie mehrfach durch den Windkanal geschickt worden, als hätten Marktforscher und Spielzeughersteller das Sagen gehabt. Um das Ganze etwas zu kaschieren, haben die Filmemacher extra viel Glitter und noch mehr Extensions draufgelegt, so grell und üppig wie nur irgendwie möglich.

Die völlige Austauschbarkeit ermöglicht es dem Zuschauer aber auch, umso mehr in die Story hineinzudeuten: Warum hat ausgerechnet Rockmusik hier so einen miesen Ruf? Kann man die Selbstisolation von Poppys Vater in der Coronakrise besser verstehen? Könnte der musikalische Showdown, bei dem alle Hemmungen fallen, am Ende gar ein passender Ersatz für den ausgefallenen Eurovision Song Contest sein?

Trolls World Tour, USA 2020 - Regie: Walt Dohrn. Mit den Stimmen von: Anna Kendrick, Justin Timberlake (im Original), Lena Meyer-Landrut, Mark Forster (deutsche Fassung). Verleih: Universal, zum Leihen für 14,99 Euro bei mehreren digitalen Anbietern, 91 Minuten.

© SZ vom 24.04.2020/khil
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