Literatur„Das Böse ist Teil des Menschlichen“

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Als „città fascistissima“ bezeichnete Benito Mussolini 1938 Triest, also als sehr faschistische Stadt. Viel früher noch, in den Zwanzigerjahren, spielt Marco Balzano in seinem Roman durch, wie ein Einzelner dem Bösen verfällt.
Als „città fascistissima“ bezeichnete Benito Mussolini 1938 Triest, also als sehr faschistische Stadt. Viel früher noch, in den Zwanzigerjahren, spielt Marco Balzano in seinem Roman durch, wie ein Einzelner dem Bösen verfällt. Alamy Stock Photos /The Picture Art Collection/mauritius images

In Marco Balzanos neuem Roman läuft der Protagonist zu den faschistischen Schwarzhemden über. Genannt wird er allerdings „Bambino“. Ein Gespräch über Grenzen, das Böse und die Stadt Triest.

Interview von Carolin Gasteiger

Marco Balzano ist einer der erfolgreichsten italienischen Schriftsteller. Er schreibt Prosa, aber auch Gedichte und Essays. Bis vor Jahren arbeitete er auch noch als Lehrer für Literatur und Latein. Mit seinem Roman „Ich bleibe hier“ war er für den renommierten Premio Strega nominiert, das Buch war auch im deutschsprachigen Raum erfolgreich. Nun widmet er sich wieder einem historischen Thema: dem Aufstieg des Faschismus und der Nazi-Diktatur in Italien. Mit „Bambino“, so der Titel seines Romans, ist Mattia Gregori gemeint, der mit 18 Jahren erfährt, dass seine Mutter nicht seine leibliche ist. Auf der Suche nach ihr gerät er an die faschistischen Schwarzhemden, die ihn bald aufgrund seines fehlenden Bartwuchses auch Bambino nennen, also Kind. Dem Namen zum Trotz wird er bald zu einem brutalen Schläger und verwickelt sich in eine Spirale des Bösen. Vor dem Hintergrund des Rechtsrucks in Europa und der Verführbarkeit der Wähler in unsicheren Zeiten wirkt Balzanos Roman überraschend aktuell. Bis Balzano beim Videoanruf im Bild zu sehen ist, dauert es ein wenig. Die Technik. Aber dann sitzt er im dunklen Wollpullover und schwarzen Locken in seinem Arbeitszimmer in Mailand. Und erzählt dann fröhlich über ein sehr düsteres Sujet.

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SZ PlusVon Carolin Gasteiger

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