Armut und Abscheu. Der Spruch ist die richtige Einstimmung auf eine Ausstellungstour durch Trier. Er führt vor Augen, dass es eine 2000 Jahre alte Kontinuität gibt im Verhältnis der Gesellschaft zu Armen - trotz christlicher Karitas, trotz der Sozialmoral der Aufklärung. Wer sieht es schon gerne, wenn vor seiner Haustür Obdachlose campieren? Und welcher Staat freut sich, wenn er Flüchtlinge aus Nordafrika aufnehmen soll, die den Seelenverkäufertrip übers Mittelmeer überlebt haben? Setzt sich nicht in diesem Ausblenden, Verdrängen, Abweisen von Armut die archaische Abscheu fort? Historiker haben dafür einen Leitbegriff entdeckt: Exklusion.

Bild: Karin Powser, Wohnkomfort im neuen Stil, 1993, Besitz der Künstlerin © Karin Powser/ Repro: Trauth 8. Juni 2011, 13:432011-06-08 13:43:41 © SZ vom 8.6.2011/sueddeutsche.de/rus