Trickfilm Auf Disneys Spuren

Der vierte Teil der Animationsreihe „Die Schneekönigin“.

(Foto: Wizart Film/Peppermint)

Der russische Trickfilm "Die Schneekönigin" basiert auf dem Märchen von Hans Christian Andersen. Aber kommt er an Disneys Hit "Die Eiskönigin" heran?

Von Ana Maria Michel

Von Zauberei hält König Harald nichts, ihn fasziniert die Technik. Um alle Magier loszuwerden und das Zeitalter der Wissenschaft einzuläuten, lockt er sie mit einem Trick ins Spiegelland. Dort sitzt schon die Schneekönigin, die aus der Welt verbannt wurde, weil sie Menschen in Eisstatuen verwandelt. Doch anders als der Titel des russischen Animationsfilms "Die Schneekönigin: Im Spiegelland" vermuten lässt, ist nicht sie die Hauptfigur, sondern ein Mädchen namens Gerda. Auch ihre Eltern und ihr Bruder sind Magier. Nur Gerda kann sie retten, denn sie bleibt frei, da sie von ihren magischen Kräften noch nichts weiß.

Wie Disneys "Die Eiskönigin" - der erfolgreichste Animationsfilm aller Zeiten -, ist auch "Die Schneekönigin" von Hans Christian Andersens Märchen inspiriert. Als einen russischen Versuch, an Disney heranzukommen, kann man den Film jedoch nicht ernsthaft interpretieren. Einer der beiden Regisseure, Robert Lence, hat zwar einst für Disney gearbeitet; doch die Bilder des Studios Wizart Animation bleiben weit hinter Disney zurück. Sicher, das Budget ist nicht vergleichbar, aber Geld erklärt nicht ganz, weshalb die Schneekönigin-Story streckenweise recht verwirrend ist und die Motivation der Figuren nicht immer nachvollziehbar. Dass "Die Eiskönigin" einer anderen Liga spielt, zeigt schon die Resonanz auf den Trailer zum zweiten Teil, der vergangene Woche veröffentlicht wurde und allein in den ersten 24 Stunden über 116 Millionen Mal geklickt wurde. Seit sechs Jahren warten die Fans auf die Fortsetzung, der Soundtrack und andere Merchandising-Produkte haben die Kinderzimmer weltweit fest im Griff.

Dabei ist die "Schneekönigin" kein direkter Ableger der US-Version, sondern war schon vorher da. Der neue Film ist der vierte Teil einer Reihe, die seit 2012 läuft - "Die Eiskönigin" kam erst 2013 ins Kino. Die aktuelle Fortsetzung ist allerdings der erste Teil, der in Deutschland im Kino zu sehen ist, die Vorgänger gab es nur auf DVD. Wer sie nicht kennt, fühlt sich etwas verloren. Weder Vorgeschichten noch die Beziehungen zwischen den Figuren werden groß erklärt. Eher nebenbei erfährt man, dass Gerda immerhin schon einmal die einst böse Schneekönigin besiegt hat, die ihr nun aber hilft. "Das Leben ist unberechenbar und manchmal ist der einzige Weg, dich zu retten, deinem einstigen Feind zu vertrauen", sagt sie zu Gerda. Ein interessanter Satz für einen Kinderfilm. Auch der Kampf zwischen Magie und Wissenschaft hat einen gewissen Reiz. Am Ende übertreiben es die Macher jedoch etwas, wenn Gerda zu einer Art Superheldin mit Drachenschwingen wird. Aber das alles wird längst vergessen sein, wenn im November Disneys "Eiskönigin 2" ins Kino kommt.

Snezhnaya koroleva, Russland 2018 - Regie: Robert Lence, Aleksey Tsitsillin. Peppermint, 86 Min.