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"Transatlantische Geschichten":Jazz und Text

Rathauskonzerte Vaterstetten 2020

Viel gemeinsam haben der Musiker und Schauspieler Sven Faller (links) und der Schauspieler und Musiker August Zirner.

(Foto: Ralf Dombowski/oh)

Der Bassist Sven Faller trifft den Schauspieler August Zirner im Gasteig

Der Schauspieler und Grimmepreisträger August Zirner hat nicht nur in mehr als 120 Kino- und Fernsehfilmen und acht Jahre als Ensemblemitglied an den Münchner Kammerspielen gespielt, er ist auch ein glühender Jazzfan und beherrscht Querflöte. Mit dem Essener Spardosen-Terzett hat er schon vor zehn Jahren seine "Nähe zum Text und Sehnsucht zur Musik", wie er es beschreibt, in dem Programm "Diagnose Jazz" zusammengebracht, das vom Leben und Sterben der Jazz-Legenden Thelonious Monk, Charles Mingus und Roland Kirk erzählte. Seitdem hat Zirner mehrere literarisch-jazzige Hörbücher eingesprochen, bespielt und betextet. Von Mary Shelleys "Frankenstein" über Kim Märkls "Jazzträume in Cleveland" und Oliver Bourdeauts "Warten auf Bojangles" bis hin zu dem mit der Bigband des Hessischen Rundfunks aufgenommenen Jazz-Melodram "Der Unsichtbare" nach dem Roman von Ralph Ellison.

Da war Zirner natürlich auch die ideale Besetzung für die TV-Rolle eines Finanzbeamten, der gerne Jazz spielen würde. Bei den Dreharbeiten traf er auf Sven Faller, einen als Sideman (unter anderem bei Konstantin Wecker oder Jenny Evans), vom Trio Elf und aktuell vor allem durch das Duo Le Bang Bang bekannten Jazzbassisten, der sozusagen sich selbst spielte. In den Drehpausen begann die beiden erst zu jammen, dann zu reden, und so kam man schnell nicht nur auf die gemeinsame Leidenschaft für Musik und Wort - Faller hat zuletzt mit dem Doppelalbum "Night Music" auch sein Debüt als Autor, Erzähler und Sprecher gegeben -, sondern auch auf biografische Analogien, die mit den USA zusammenhängen.

August Zirner ist ja gebürtiger Amerikaner, er kam in Urbana, Illinois, als Sohn österreichischer, vor den Nazis geflohener jüdischer Emigranten zur Welt. Als "Wunderkind", wie er sagt, denn seine Mutter konnte eigentlich keine Kinder bekommen, wurde aber 15 Jahre nach der Übersiedlung überraschend schwanger. Faller wiederum verdankt seine Geburt auch der Remigration seines Großvaters nach einer vom Rassenwahn und Krieg jahrzehntelang unterbrochenen Liebesgeschichte. Und während August Zirner vor dem Vietnam-Krieg zum Schauspielstudium nach Europa floh und schließlich in München landete, ging Sven Faller zum Jazz-Studium ans Mannes College of Music in New York, blieb dort einige Jahre und spielte mit Stars wie Jane Monheit, Randy Brecker, Jay Berliner und John Patitucci.

Diese persönlichen, aber auch andere "Transatlantische Geschichten" arbeiten Zirner und Faller jetzt im Carl-Orff-Saal des Gasteigs improvisatorisch zusammen auf, abwechselnd in Erzählungen und mit Jazz-Songs von "In A Sentimental Mood" bis zu "Take Five".

August Zirner und Sven Faller; Dienstag, 19. November, 19 Uhr, Carl-Orff-Saal, Rosenheimer Str. 5