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Trailerpremiere "Finsterworld":Es leuchtet, aber düster

Sie verzweifeln an Ohrwürmern, Plüschkostümen, Klassenfahrten ins KZ, vor allem aber an den anderen und sich selbst. Der Film "Finsterworld" malt mit schrägen Figuren und leuchtenden Farben ein tragikomisches Bild deutscher Neurosen.

"Ja, du bist ich-fixiert, zweimal 'ich' in einem Satz, merkst du das eigentlich?", bricht es aus Dokumentarfilmerin Franziska heraus. Willkommen in der Beziehungshölle, willkommen in "Finsterworld". Franziska und ihr Freund - sein Geheimnis wird er im Laufe der Geschichte lüften - sind nicht die Einzigen, die sich hier aneinander aufreiben.

Fußpfleger Claude und Altenheimbewohnerin Frau Sandberg etwa kommen sich über ihre Hassliebe zum deutschen Volkslied näher. "Simsalabimbambasaladusaladim, es ist schrecklich, man kann nicht aufhören, das zu sagen!", sagt Claude, eine von zahllosen hochskurrilen Szenen, die am Ende des Films in ganz neuem Licht erscheinen werden.

Eine finstere Welt, die vielmehr ein seltsam bekanntes Deutschland ist, leuchtet - manchmal fast blendend - in solchen Bildern. Schön sieht das aus, dabei ist es oft so schrecklich. "Na ihr Spasten, ready for the KZ-Besuch?", fragt Privatschüler Maximilian, Sadist in makelloser Schuluniform.

Seine Eltern lenken derweil ihren ebenso makellosen Wagen anderswo durchs Land und hadern mit ihrem scheinbar perfekten Angekommensein. Der Lehrer, der Maximilian und dessen Mitschülern beim KZ-Besuch die kalten Wohlstandsherzen öffnen will, weiß noch nicht, dass der Bus in den schlimmsten Tag seines Lebens fährt.

Ein Mosaik zeigt oft so viel mehr als eine einzige große Geschichte - diese Idee hat in jüngerer Zeit zu einem kleinen Boom bei Episodenfilmen geführt. Auch "Finsterworld" springt zwischen den Charakteren und deren Wirren hin und her. Grundlage ist das Drehbuch von Christian Kracht, das er zusammen mit seiner Frau, der Regisseurin Frauke Finsterwalder, schrieb.

Entstanden ist ein Film, den man nicht so schnell vergisst. Zu verdanken ist das nicht zuletzt der großartigen Besetzung, darunter Carla Juri aus "Feuchtgebiete". Weltpremiere feierte "Finsterworld" im Sommer beim Filmfest München, die erste Premiere außerhalb Deutschlands vor wenigen Tagen beim Filmfest von Montréal - sogar im Branchenblatt Hollywood Reporter erschien eine begeisterte Kritik. Nach "Oh Boy" von 2012 also schon wieder eine Entdeckung des Münchner Festivals, die es weit bringen könnte.

"Finsterworld" kommt am 17. Oktober in die deutschen Kinos.

Finsterworld. Deutschland 2013. Regie: Frauke Finsterwalder, Buch: Christian Kracht und Frauke Finsterwalder. Mit Michael Maertens, Ronald Zehrfeld, Sandra Hüller, Corinna Harfouch, Jakub Gierszal u. a. Verleih: Alamode. 91 Min.

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