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Trailer zu "Star Wars: Die letzten Jedi":Was wir aus dem neuen Star-Wars-Trailer lernen

Mut zum Ernst: Star Wars erzählt immer noch mit viel Gravitas die alte Geschichte vom Kampf der Finsternis gegen das Licht. Andere Kino-Großprojekte haben sich längst in die Selbstironie geflüchtet.

Es geht ja schon mit den größtmöglichen Extremen los. "Was siehst du?", fragt die Stimme von Luke Skywalker im Trailer zur neuen Star-Wars-Episode "Die letzten Jedi". Und die junge Rey antwortet: "Licht. Dunkelheit." Es ist der ewige Kampf der Finsternis gegen das Licht, Gut gegen Böse. Die Geschichte ist alt. Aber die Ernsthaftigkeit, mit der sie erzählt wird, steht doch in gewissem Kontrast zu den Geschichten der anderen großen Kino-Franchises unserer Zeit. Denn ohne Ironie geht im Blockbuster-Kino eigentlich gerade gar nichts. Sich selbst nicht so ernst zu nehmen, ist längst zur bevorzugten Geisteshaltung der Produktionen mit den ganz großen Budgets geworden. Denn es steht viel auf dem Spiel. Selbstironie ist da so etwas wie der Schlüssel zum perfekten Konsumgut. Denn wer sich über sich selbst lustig macht, macht sich für Kritik unangreifbar.

Man sieht das schon in den wenigen Szenen aus den Trailern der großen Filme dieser Kino-Saison: "Thor: Ragnarok" und "Justice League", die jüngsten Superhelden-Filme aus den Comic-Universen von Marvel und DC, versuchen mit Superhelden-Witzchen gegen den immer mächtiger werdenden Superhelden-Überdruss vorzugehen. Gefragt, welche Superkraft er eigentlich besitze, antwortet Batman da: "Ich bin reich." Das nimmt erstmal ordentlich Pathos aus einer ansonsten zutiefst pathetischen Geschichte, die doch meist nur in einer irgendeiner zerstörungsreichen Variante von Götterdämmerung und Weltenende erzählt. In den Trailern selbst wird diese ironische Brechung noch einmal verstärkt: durch den Einsatz von Pop-Songs.

Das Zauberhafte an Franchise? Es nimmt sich selbst so wahnsinnig ernst

Im Trailer zum neuen "Transformers" beispielsweise kreist ein Roboter zu "Do You Realize??" von den Flaming Lips durchs All. Bedrohlich? Nö. Die mythologisch bewanderten Led Zeppelin dürfen gleich zweimal ran: in den Mythen-Verquastungen von "King Arthur: Legend of the Sword" und "Thor: Ragnarok". Und wenn sich Batman zu "Come Together" von den Beatles in die Schlacht schwingt, wirkt das alles gar nicht mehr so düster und bitterernst - auch wenn im Hintergrund die Welt in Flammen steht.

Zum Glück aber gibt es Star Wars. Der jüngst veröffentlichte Trailer zur neuesten Episode Nr. 8 "Star Wars: Die letzten Jedi" stellt sich dieser selbstironischen Immunisierung im Blockbuster-Kino entgegen und präsentiert sich mit einer Ernsthaftigkeit und Gravitas, für die man nur Bewunderung übrig haben kann. Kein ironischer Bruch, kein Augenzwinkern, sondern immer die ganz große Geschichte. Um deren Fortgang zu ergründen, stürzen sich Fans auf der ganzen Welt in die kleinliche Analyse jedes Bildes, jedes Satzes und jeder Betonung.

Sie stellen Theorien auf, inwiefern "Die letzten Jedi", der mittlere Teil der neuen Star-Wars-Trilogie, die Handlung von "Das Imperium schlägt zurück" spiegeln wird, dem mittleren Teil der alten Trilogie: Wird Luke Rey zum Jedi ausbilden, so wie er einst von Yoda ausgebildet wurde? Wird es eine große Schlacht zu Beginn geben - nur statt in der Eiswüste von Hoth in der staubigen Wüste von Crait? Was hat es mit der ästhetischen Nähe des Filmplakats zum Plakat des allerersten Star-Wars-Films auf sich? Und vor allem, was haben die unfassbar ernsten, schweren und mit Sicherheit nicht ironischen Schlussworte von Luke Skywalker zu bedeuten? "Ich kenne nur eine Wahrheit. Die Zeit der Jedi ist zu Ende."

Das ist natürlich höchst pathetisch und gefährlich nah dran an der Lächerlichkeit. Aber das ist ja das Zauberhafte an diesem irren, selbstverständlich vollkommen durchkommerzialisierten Franchise: Es nimmt sich selbst so wahnsinnig ernst. Und damit auch seine Fans und deren Leidenschaft.

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