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Tourneeauftakt der Rolling Stones:Sticky Fingers am Opernglas

50 Jahre Rolling Stones, Auftakt der neuen Welttournee: Los Angeles erlebt eine Show, bei der die Laune binnen zwei Sekunden ganz oben ist. Und einen Drummer Charlie Watts, der es mit der Coolness beinahe übertreibt.

50 Jahre Rolling Stones, Auftakt der neuen Welttournee - das war das Programm für den Abend im Staples Center in Los Angeles. Man stand auf der Raucherterasse, trank Cocktails oder Biere und rauchte Zigaretten. Der Stonesfan raucht immer noch gerne, selbst wenn der Stone selbst es längst aufgegeben hat.

Die Stones hatten per Videobotschaft schon Männer und Frauen unterschiedlichen Alters und Bekanntheitsgrades zu Wort kommen lassen. Martin Scorsese nannte den ersten von ihm erlebten Stones-Auftritt einen "lifechanger"; Johnny Depp murmelt, man könne zum Soundtrack der Stones "böse Dinge tun"; Cate Blanchett sagte, die Stones würden sie extrem sauer machen, weil "jedes Bandmitglied so schön dünn ist."

Jaggerdünn war im Publikum niemand. Die meisten Stonesfans trugen XXL-Shirts, hielten sich an Plastikbierbechern fest, fachsimpelten über Keith-Richards-Akkorde und hatten, logo, ein Opernglas umhängen. Man wollte Mick in die Augen gucken. Andere Fangemeindenteile machten dabei nicht mit. Ein Ehepaar in seinen Sechzigern mit Stirnband und glasigem Blick hatte Joints mitgebracht und zwang die Bierfraktion zum Passivrauchen. In Amerika ist so was schon nahe am Ausnahmezustand, doch niemand beschwert sich über die Nebelschwaden, nicht einmal die Eltern eines Zehnjährigen, der beim eigentlich recht lauen Stonessong "Emotional Rescue" vor Begeisterung vollständig die Fassung verlor und zu weinen begann.

Gesamtenergie auf der Bühne: Bestens

Als es endlich losging, stolzierte Mick Jagger in einem komplizierten silberschwarzen Jackett heraus, wie man es vor zwanzig Jahren in Beverly-Hills-Boutiquen finden konnte. Keith Richards hatte sein ältestes Stirnband über die Ohren gewurschtelt, ein bordeauxfarbener, gemütlicher Pulli reichte ihm für die ganze Show. Ron Wood stellte einen lustigen Proll-Look à la Ed Hardy zur Schau, doch es war Charlie Watts, der es mit der Coolness beinahe übertrieb und im Fred Perry-Poloshirt langsam lostrommelte. Gesamtenergie auf der Bühne: Bestens. Laune ganz oben, nach zwei Sekunden.

Will man die Stones dennoch kritisieren? Dann klingt man etwa so wie Andrew Loog Oldham, der erste Manager der Stones. "Die Band ist keine Band", erklärte er vor ein paar Wochen im SZ-Interview streng, "sondern eine Marke, die Erinnerungen verkauft. Und zwar solche, die die meisten nicht einmal selbst erlebt haben." Doch anschließend musste auch Oldham zugeben, dass diese Kritik ins Leere zielt, weil das ja genau der Punkt ist: "Es gibt eine große Ähnlichkeit zwischen Europa nach dem Zweiten Weltkrieg und Amerika nach Vietnam. In diesem Klima wurden die Rolling Stones groß. Es klingt von heute aus absurd, aber dieser "soziale" Grund hat sie so gestärkt. Niemand wollte über Vietnam reden. Dann kamen die Stones und haben uns alles erzählt."

Den vollständigen Bericht lesen Sie in der Montagsausgabe der SZ.

© SZ vom 06.05.2013/mkoh

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