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Topmodel-Finale: Sara Nuru gewinnt:A-ha!

Hat die viel gescholtene Heidi Klum endlich mal was richtig gemacht? Die neue Siegerin von "Germany's Next Topmodel" jedenfalls lässt alle bisherigen blass aussehen. Eine kleine Nachtkritik.

Da war wohl jemand wütend: "Sechs Sorten Scheiße" wolle er aus Heidi Klum herausprügeln, wenn sie "mit Knallchargen-Pathos und einer Pause, in der man die Leere ihres Kopfes wabern hört, ihre gestrenge 'Entscheidung' mitteilt, und wertes von unwertem Leben scheidet", sagte Roger Willemsen zuletzt der taz, befragt nach der Frauenfeindlichkeit der Sendung "Germany's Next Topmodel". Oho.

Sara Nuru

(19), Mandy Bork (18) und Marie Nasemann (20) versuchen ihr Glück vor Live-Publikum.

(Foto: Foto: dpa)

Ob dem sonst eher dem feinsinnigen Lager zuzuordnenden Publizisten tatsächlich die linke Hand zuckt, sobald er Heidi Klum sieht, was im aktuellen Fernsehprogramm nahezu unvermeidlich ist, oder ob der ehemalige TV-Moderator einfach mal wieder ein bisschen Öffentlichkeit brauchte - er ist nicht allein mit seiner Kritik an Heidi Klum.

Einst Deutschlands erfrischendster Model-Export, die nach Claudia Schiffer wie ein Ausbund an Fröhlichkeit wirkte, reifte sie erst zur omnipräsenten Werbe-Ikone und schließlich in ihrer eigenen Nachwuchs-Model-Show zur unangenehm gestrengen "Model-Mutti" heran. Zuletzt musste La Klum in der Heimat viel einstecken: "Die schönste Hexe der Welt" titelte jüngst der Stern, Alice Schwarzer kürte sie in der aktuellen Emma zum "Pascha des Monats", für Wolfgang Joop ist sie kein Model - und für Karl Lagerfeld hat es sie in der Modewelt "nie gegeben".

Ziemlich viel Kritik auf einmal, die sich die 35-jährige Erblondete aus Bergisch-Gladbach anhören musste - und das so kurz vor dem Finale ihrer extrem erfolgreichen vierten Staffel von "Germany's Next Topmodel" (GNT) auf Pro 7.

Nun war das Finale zum ersten Mal live: Vor angeblich 15.000 Zuschauern hatte Heidi Klum, die seit 16 Jahren in den USA lebt, ein Fast-Heimspiel in Köln - und wie schlug sich also die viel Gescholtene? Nun ja: Sie sei "super aufgeregt" gewesen, ließ sich die Schwangere nach der Show von einer merkwürdig farblosen Annemarie Warnkross im anschließenden Promi-Magazin "Red!" entlocken, sie habe immer wieder "einen trockenen Mund" gehabt. Das hat man gemerkt. Der Versprecher waren es ein paar zu viele. Zumal an der Stelle, wo sie ihre "Mädels" gestreng auf die Probe stellen will, ob sie denn auch moderieren können. Sie selbst wisse, wie schwer das sei. Ah ja.

Man muss unwillkürlich an die perfekte Klum-Persiflage bei "Switch Reloaded" denken, wenn Heidi Klum mindestens eine Oktave zu hoch ansetzt zu moderieren. Der Rest der Show besteht, um es kurz zu machen, aus Werbepausen, Werbeeinblendungen, Werbehinweisen und gegenseitiger Werbung der Mitwirkenden.

"Wow, das ist Wahn-sinn!", begrüßt Heidi Klum das Publikum. "Hier ist Germany's Greatest Topmodel!", wird die Moderatorin von ihrem ansonsten höchst uncharmanten Jury-Kollegen Peyman Amin angekündigt. "Ihr seht blendend aus", verteilt Klum Lob an ihre Juroren, Casting-Direktor "Rolfe" Scheider weint schon zu Beginn, weil er als "Nippese Jung" in Kölle ist, und zu guter Letzt müssen eben auch die drei Finalistinnen viel Gutes über die Konkurrenz sagen. "Das habt ihr sehr toll gemacht", bescheinigt die Heidi der Sara, der Marie und der Mandy. So süß.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, warum Heidi Klum Angela Merkel spielen muss.

Germany's Next Topmodel - die Bilder

Yes, she can

Der Kunde ist König

Total toll ist es dann natürlich auch, dass eine längst vergessene Band aus Heidis Jugend eine Welt-Premiere in ihrer Show hat: A-ha aus Norwegen, die in den achtziger Jahren mit "Take on me" mal oben mitgespielt haben, stellen nun ihre neue Single vor, die unsäglich weichgespült klingt.

"Germany's Next Topmodel"

Die Rückkehr der Klum-Krieger

Nicht zu vergessen die unvermeidliche Charlotte Engelhardt, die im schlimmsten Outfit ihres Lebens werbewirksame Nichtigkeiten aus dem offenbar sehr langweiligen Backstage-Bereich verkünden darf.

Schwung in den Laden will ein merkwürdig aufgekratzter Fotograf namens Marc Baptiste bringen, der die mittlerweile verbliebenen Finalistinnen Sara und Mandy ausgerechnet auf einem Rodeo-Bullen fotografieren soll. Weil er sich dabei mindestens so daneben benimmt wie Schröder in der Elefantenrunde, muss Heidi Merkel spielen und ihm über den Mund fahren, er solle nicht so viel quatschen, sondern lieber Fotos machen. Das ist der eigentliche Höhepunkt der Show, was den Unterhaltungsfaktor angeht. Auch wenn es unbeabsichtigt und auf Englisch passiert. That's live.

Da ist der Bikini-Walk schon vorbei und damit das Wichtigste entschieden: Marie, von der ersten Folge an erklärter Liebling der Jury, ist als Erste ausgeschieden. Dazu muss man wissen: Jeder, der diese vierte Staffel von "Germany's Next Topmodel" nur peripher verfolgte, konnte schnell erkennen, wer in die Endrunde kommen würde - die beiden geeignetsten Kandidatinnen und der Jury-Liebling.

Die 20-jährige Marie Nasemann hat zwar, wenn es hier schon um Äußerlichkeiten gehen soll, keinen echten Model-Körper, ein zu starkes Kinn und eine zu tiefe Stirn, aber immerhin genügend Steifheit um die Hüfte, um die Jury restlos von sich zu überzeugen.

Schon die Gewinnerin der letzten Staffel, Jennifer Hof, zeichnete sich vor allem durch die ungelenke Art aus, sich zu bewegen - und wurde von der Jury dafür bis zum Sieg getragen. Worum es auch immer gehen mag in dieser Sendung: Gute Models wurden bisher nicht gefunden, was wohl auch an der Jury liegt.

Uptown-Girl

Immerhin aber gesegnet durch das urtypische Uptown-Girl-Aussehen ("Die sieht immer so'n bisschen aus wie so 'ne Adelige", O-Ton Klum), zog Marie in dieser Staffel die meisten "Kundenaufträge" an Land - und da der Kunde hier noch unbestrittener König ist, musste man schon befürchten, die lahme Jury-Favoritin werde das Rennen machen.

Doch da gab es eben noch zwei weitere Kandidatinnen, denen man es von Herzen wünschen konnte zu gewinnen, weil die eine schon seit drei Jahren vor dem Spiegel dafür übt und die andere nie vorhatte, bei GNT mitzumachen. Ihr Freund hat sie angeblich zum Casting gedrängt. Abgesehen davon entwickelte sich Mandy (18) während der Show auf dem Catwalk zu einer prima Model-Imitatorin und Sara (19) von der verhuschten Pony-Trägerin zur strahlend selbstbewussten Schönheit. Wenn jemals eine GNT-Kandidatin kein frauenfeindliches Bild geliefert hat, dann ist es diese.

Überraschend nur, dass die Jury das nun auch honorierte: Nach erwartungsgemäß unerträglich gekünstelten Spannungsbogen, immer wieder durch Musik und Werbung unterbrochen, wurde die so sympathische wie überzeugende Sara zur Siegerin gekürt. Was mag die Jury bewogen haben, zum ersten Mal die richtige Entscheidung getroffen zu haben, nämlich die für ein Mädchen mit möglicherweise echtem internationalen Model-Potential?

Es muss wohl die Live-Show gewesen sein, und damit das Publikum. Von Anbeginn des Finales waren für die Münchnerin äthiopischer Abstammung die größten Sympathien vorhanden. "Yes, she can!", stand auf einem Groß-Transparent. Die Menge jubelte, als Marie rausgewählt wurde. Puh. Die Sendung erzielte nach Senderangaben eine Einschaltquote von 23 Prozent.

Es war Peyman Amin, der nach der Show betonte, auch die "Masse" sei diesmal in der Entscheidung "auf unserer Seite" gewesen. Falls es also nicht so sein sollte, dass die zahlenden Werbe- und Vertragskunden sich ihr Topmodel des Jahres selbst aussuchen dürfen, dann sollte bitteschön diese Show demnächst immer live und vor Publikum stattfinden, und zwar nicht nur das Finale. Dann müsste Heidi Klum auch nicht so unversehens in die Verhasstheit rennen, weil sie rechtzeitig merken würde, was nicht so gut ankommt. Und Roger Willemsen könnte sich auch wieder feinsinnigeren Fällen zuwenden.